Unterschätzte Risiken: Wähler

July 19, 2008

Vorbeugen sei besser als Heilen, sagt der Volksmund. Für Politiker gilt das jedoch nicht unbedingt:

»Using comprehensive data on natural disasters, government spending, and election returns, I show that voters reward disaster relief spending but not disaster prevention spending.«

(Andrew Healy: Preferring a Pound of Cure to an Ounce of Prevention: Voting, Natural Disasters, and Government Response, gefunden bei Overcoming Bias)


Unterschätzte Risiken: Rettungswagen

July 13, 2008

»Bei einem tragischen Unfall ist in der Nacht zum Sonntag in Bad Arolsen ein Mann ums Leben gekommen. Er wurde von einem Rettungswagen überfahren. (…)«

(hr: Tödlicher Unfall: Fußgänger von Rettungswagen erfasst)


Unterschätzte Risiken: Dihydrogenmonoxid

July 8, 2008

»Zehn Liter kaltes Wasser konsumierte Andrew Thornton täglich, um so sein schmerzendes Zahnfleisch zu betäuben. Der 44-Jährige weigerte sich laut einem Bericht der Tageszeitung “Daily Mail”, Medikamente zu nehmen.

Als der Lagerist aus dem englischen Bradford seine drakonische Therapie drei Tage hindurch angewendet hatte, brach er schließlich zusammen und kam ins Krankhaus.«

(Spiegel Online: England: 44-Jähriger stirbt nach Wasser-Überdosis)

»Symptoms of DHMO ingestion can include excessive sweating and urination, and possibly a bloated feeling, nausea, vomiting and body electrolyte imbalance.«

(Coalition to Ban DHMO)


Unterschätzte Risiken: Sonnenangst

July 3, 2008

Die Angst vor der Sonne. Sommerloch für Sommerloch dürfen sich die Praktikanten aller Medien an diesem dankbaren Thema austoben und die immer gleichen Versatzstücke wiederkäuen: Sonnenbrand, »aggressive« UV-Strahlung, Hautkrebs, Sonnenschutz. Der Tenor ist stets derselbe. Die Sonne sei böse, gefährlich, um jeden Preis zu meiden. Wer sich ihr dennoch auszusetzen habe, der müsse sich radikal schützen, sonst drohten Siechtum und Tod.

Mir geht dieses Theater schon länger auf den Keks. Es riecht zu deutlich nach einer zum Selbstläufer gewordenenmachten Werbekampagne für Kosmetikartikel, eine menschheitsgeschichtlich recht junge Erfindung. Wäre die Sonne tatsächlich so gefährlich, wie sie heute von überforderten Medien gemacht wird, wie konnten unsere Vorfahren dann unter dieser Sonne lange genug überleben, um uns als die Krone der Schöpfung hervorzubringen? Und wer kann eigentlich mit eigener Erfahrung die absurde Empfehlung belegen, man solle selbst unter der Kleidung noch Sonnencreme tragen, sofern es sich nicht um spezielle »Schutzkleidung« handele?

Gesunder Menschenverstand ist nicht notwendig das Gegenteil der Wissenschaft, das zeigt jetzt ein Artikel im Spektrum der Wissenschaft. Darin geht es um Vitamin D, das im Körper vielfältige positive Auswirkungen hat und das unsere Haut in großen Mengen bildet, wenn sie der Sonne ausgesetzt ist. Die Autoren kommen zu dem Schluss:

»In diesem Zusammenhang ist auch das gestiegene öffentliche Bewusstsein um die Risiken des Sonnenbadens problematisch. Moderne Sonnenschutzmittel verringern das in der Haut produzierte Vitamin D um mehr als 98 Prozent. Um den normalen Bedarf an dem Mikronährstoff zu decken, sollten Menschen mit heller oder bronzener Hautfarbe in Nordamerika oder Europa im Sommer täglich ein ungeschütztes Sonnenbad von 5 bis 15 Minuten zwischen 10.00 und 15.00 Uhr nehmen. Dabei kommt es höchstens zu einer leichten Rosafärbung der Haut.«

und weiter:

»Nach den bisherigen Forschungsergebnissen scheint eine Kampagne zur Aufklärung der Öffentlichkeit über den umfassenden physiologischen Nutzen von Vitamin D daher dringend geboten.«

Das ist eine Ohrfeige für die Panikmafia. Immerhin, nach und nach sickert das Wissen um den Nutzen der Sonne auch in die Sommerlochartikel. Wir dürfen hoffen.


Machen Impfungen krank?

July 1, 2008

Die Süddeutsche Website beantwortet als Frage der Woche: Machen Impfungen krank?


So sterben Schweizer

July 1, 2008

Das Schweizer Bundesamt für Statistik hat die Entwicklung der Todesursachen von 1970 bis 2004 untersucht. Die Studie trägt den Titel »Von Generation zu Generation. Entwicklung der Todesursachen 1970 bis 2004« und ist im Netz zu finden. Eine Zusammenfassung liefert die NZZ.


Klumpenrisiko (2)

June 26, 2008

Auf eine anschauliche Erklärung des Begriffs Klumpenrisiko habe ich bereist vor einiger Zeit verwiesen. Jetzt liefert der VW-Konzern unfreiwillig ein weiteres Beispiel. Kooperationspartner war ein Unwetter:

»Bei einem Unwetter am Sonntagnachmittag über dem Werk Emden und dem weitläufigen Hafengelände wurden Fahrzeuge verschiedener Konzernmarken beschädigt, die in Emden produziert oder über den dortigen Autoverladehafen zu Händlern in aller Welt gebracht werden.«

Nach dem Artikel der Süddeutschen war das wohl richtig teuer. Hand hoch, wer seine Datensicherung neben dem PC liegen hat.


Unterschätzte Risiken: Amtsanmaßung

June 26, 2008

Das Darmstädter Echo meldet:

»Nicht wenig überrascht war der Inhaber eines Betriebes im Bruchwiesenweg, als am Mittwoch um 10 Uhr zwei angebliche Zollbeamte in seiner Firma auftauchten. Die Männer präsentierten ihm einen Durchsuchungsbeschluss und einen auf ihn ausgestellten Haftbefehl. Sie durchsuchten das Büro und konfiszierten mehrere tausend Euro Bargeld, Schmuck und Aktenordner. Der Firmenchef wurde daraufhin gebeten, sich gute Kleidung anzuziehen, da man zusammen in der Bank den Safe überprüfen wolle. Während sich der arglose 68 Jahre alte Mann umzog, suchten die falschen Zöllner das Weite.«

Unsere Empfehlung: verlangen Sie vor der Durchsuchung einen biometrischen Ausweis und prüfen Sie, ob der Fingerabdruck des vermeintlichen Beamten zum gespeicherten Muster passt. Wer sich unter einem Vorwand weigert, ist kein Beamter, sondern Terrorist.


Die Zeit über Risikowahrnehmung

June 24, 2008

Die Zeit beschäftigt sich mit der Risikowahrnehmung und der Rolle der Medien dabei:

»Unsere Risikowahrnehmung unterliegt starken Schwankungen. Waldsterben und Vogelgrippe sind out, jetzt reden alle über Klimawandel und die Gefahren der Ernährung. Eine Analyse des Wechselspiels zwischen Wissenschaft, Medien, Politik und unserem kollektiven Bauchgefühl (…)«

(Risikowahrnehmung: Zwischen Wissenschaft und Bauchgefühl)


Unterschätzte Risiken: leichtgläubige Polizisten und Richter

June 24, 2008

Mit dem zuweilen übertriebenen Eifer der Strafverfolgungsbehörden haben wir uns hier bereits beschäftigt. Wie ein Artikel von Spiegel Online nun zeigt, beschränkt sich das Problem keineswegs auf die Informationstechnik: Ermittlungsbehörden setzen private Hunde mit privaten Hundeführern in einem wissenschaftlich nicht gesicherten Verfahren ein, um “Täter” zu “überführen” – und es gibt Richter, die dem Gebell tatsächlich einen Beweiswert beimessen.


Erich fragt: Grenzwert für die Zuverlässigkeit einer Höllenmaschine?

June 19, 2008

Overcoming Bias stellt zwei Fragen, von denen die zweite gut zu uns passt:

(1) What is the probability that the LHC will destroy the visible universe?

(2) For what answers to (1) should the LHC be prevented from operating?

LHC, das ist der Large Hadron Collider, ein Teilchenbeschleuniger. Wie wahrscheinlich es ist, dass diese Maschine einen Weltuntergang auslöst, weiß ich nicht. Ich kann nicht mal erklären, was sie überhaupt tut.

Interessant finde ich jedoch die zweite Frage: angenommen, wir hätten eine verlässliche Angabe der Wahrscheinlichkeit, ab welchem Wert würden wir vom Betrieb der Anlage Abstand nehmen? Null wäre eine naheliegende, aber falsche Antwort, denn null ist nicht mal die Wahrscheinlichkeit, dass das Absenden dieses Blogeintrags eine Kette von Ereignissen in Gang setzt, die mit totaler Vernichtung endet. Eins wäre ebenso falsch, denn wenn es eine Maschine gibt, die zuverlässig das Universum zerstört, dann ist ihr Besitzer ein Superschurke und wir sind ihm ausgeliefert. Zu sagen hätten wir dann nichts mehr.

Wo also liegt ein sinnvoller Grenzwert für die Funktionswahrscheinlichkeit von Höllenmaschinen?


Angstmarketing

June 17, 2008

Gestern in der NZZ:

Angstmarketing


Unterschätzte Risiken: das Ich und das Es

June 15, 2008

»Mit der entrissenen Dienstwaffe eines Kollegen hat sich eine junge Polizistin in der Nacht zum Sonntag in den Oberkörper geschossen und schwer verletzt. (…)«

(HR Online: Nach Verkehrsunfall: Polizistin schießt auf sich selbst)

Nachtrag: Das kommt offenbar öfter vor. Ein neuer Trend?


Unterschätzte Risiken: Parkscheinautomaten

May 31, 2008

»Vorschriftsmäßig hatte die junge Autofahrerin ihren Parkschein bezahlt. Dann der Schreck: Als sie in den Geldausgabeschacht des Automaten griff, um an ihr Wechselgeld zu kommen, steckte sie plötzlich fest. So sehr sie sich auch mühte, sie bekam ihren Zeigefinger nicht mehr aus dem Schlitz heraus. (…)«

(HR Online)


Grenzwertig

May 15, 2008

Kein vertretbares Risiko ohne Grenzwert, denn selbst Kirchenglocken dürfen nicht so läuten, wie sie möchten. Aber was taugen die magischen Zahlen wirklich, schließlich wimmelt es ja derzeit nur so von Mykrogrammgefahren? Schafften es Zeitschriften wie Ökotest früher nur alle Jubeljahre mal mit Fundstücken aus der Nahrungskette in die Agenturmeldungen, treiben die Jungs von Foodwatch heute jede Woche ein neues Schwellenschwein durch die Gazetten und veranstalten auch gerne mal ganze Kampagnen, die nur der Schaffung eines neuen Grenzwertes dienen. Wer sich klar macht, wie Grenzwerte für Nahrungsmittel entstehen, wird jedoch schnell einsehen, dass die vermeintlich verlässlichen Zahlen nur äußerst begrenzte Aussagekraft haben. Read the rest of this entry »


In einem Wort

May 15, 2008

Relatives Risiko

May 7, 2008

Wenn man ein Auto fährt, das auf der Autobahn irgendwo jenseits der Richtgeschwindigkeit automatisch das Licht anschaltet, was möchte man da in der Betriebsanleitung nicht missen? Genau, Sicherheitshinweise. Sie sollten aber doch bitte beim Thema und den Fakten bleiben. VW zeigt, wie man es nicht macht: Read the rest of this entry »


Unterschätzte Risiken: Maßkrüge

May 5, 2008

Die Süddeutsche berichtet aus dem Hofbräuhaus:

»Mit einem Maßkrug hat ein 67 Jahre alter Rentner im Münchner Hofbräuhaus einen italienischen Touristen schwer am Kopf verletzt. (…) Er packte den Italiener an der Jacke und
schlug ihm einen Maßkrug auf den Kopf. Der Tourist wurde mit schweren Kopfverletzungen in ein Krankenhaus gebracht und dort notoperiert. (…)«

Gut, dass ich nicht in Bayern Urlaub mache.


Unterschätzte Risiken: Heimwerker

May 2, 2008

»Mitten in der Nacht brach sie einfach weg, die Giebelwand eines Hauses in Fulda. Der einzige Bewohner blieb zwar unverletzt, aber der Vorfall kann wohl als “Totalschaden” bezeichnet werden.
(…)
Der Hausbesitzer soll seit Monaten mit der Sanierung des Gebäudes beschäftigt gewesen sein.«

(HR: “Absolute Einsturzgefahr”: Hauswand bricht zusammen)

Hätte er über seine Arbeit gebloggt, wie es andere Selbstsanierer tun, hätte man ihm ja vielleicht in den Kommentaren einen Hinweis hinterlassen können. Andererseits, Haus und Leben gleichzeitig zu riskieren, hat schon was. No guts, no glory; in die Schlagzeilen hat er es jedenfalls geschafft.


Unterschätzte Risiken: Schlechte Erziehung

April 23, 2008

»Mit seinen Blähungen hat ein 25 Jahre alter Obdachloser im Frankfurter Hauptbahnhof einen Bahn-Reisenden derart provoziert, dass es zu einem handfesten Streit mit Körperverletzung kam. (…)«

(HR Online: Körperverletzung: Blähungen lösen Rangelei aus)


Ihr Weg durch den Zoll

April 18, 2008

Wenn Sie nach einer Flugreise aus einem Drittland nach Deutschland zurückkehren, haben Sie die Wahl zwischen zwei Ausgängen: Den grünen Ausgang benutzen Sie dann, wenn Sie Waren für den persönlichen Bedarf innerhalb der Reisefreimengen mitbringen; den roten, wenn Sie darüber hinausgehende Waren anzumelden haben. Mit Ihrer Wahl geben Sie eine Steueranmeldung ab. Wenn Sie den grünen Ausgang benutzen, können Sie in der Regel ungehindert passieren. Allerdings wird auch dort das Gepäck stichprobenweise geprüft. Sollten abgabenpflichtige Waren gefunden werden, behandelt der Zoll diese als geschmuggelte Ware (Steuerhinterziehung).

Damit das nicht passiert, beachten Sie bitte die folgenden Hinweise: Read the rest of this entry »


Unterschätzte Risiken: PR-Profis

April 11, 2008

Bei manchen Journalisten setzt anscheinend der Verstand aus, sobald sie eine Story wittern. PR-Profis nutzen diese Schwäche gnadenlos aus. Das sieht dann zum Beispiel so aus:

»Berlin, 10. April 2008. Die ARD-Zeitgeistsendung „Polylux“ ist einer Fälschung des „Kommando Tito von Hardenberg“ aus dem Umfeld der Hedonistischen Internationalen aufgesessen. Das Magazin strahlte heute einen Beitrag über die „Alltagsdroge Speed“ aus. Der dort gezeigte Speed-User „Tim“ ist eine Erfindung des Kommandos. Er mag in Wirklichkeit gar kein Speed und macht auch keine „Speed-Diät“. (…)«

(Kommando Tito von Hardenberg)

Es gibt offenbar nichts, das man nicht gezielt in die Medien tragen könnte.

Disclaimer: Ich habe den fraglichen Beitrag nicht gesehenkeinen Fernseher.


Unterschätzte Risiken: kaputte Taser

April 9, 2008

Das Darmstädter Echo meldet:

»Der 66 Jahre alte Mann, der an Heiligabend in Heppenheim (Kreis Bergstraße) während eines Polizeieinsatzes getötet wurde, musste offenbar deshalb sterben, weil ein Elektroschockgerät versagt hat. In dem sogenannten Taser waren nach den Erkenntnissen eines Gutachters falsche Batterien eingebaut. Außerdem wurden die dünnen Stromkabel offenbar mit einer Kartusche verschossen, deren Haltbarkeitsdatum um 17 Monate überschritten war. (…)«

Wie das geht? Das erfahren wir im ausführlicheren Bericht beim Hessischen Rundfunk: Weil der Taser nicht funktionierte, griffen die Polizisten zur guten alten Pistole. Gegen 12 Kugeln aus dem Bleibeschleuniger hatte der Mann keine Chance.