Neues aus der Helmforschung

July 14, 2008

Angeregt durch eine neuerliche Debatte um den Wert des Attributs kollegenbegutachtet als Argument in einer Diskussion bin ich dem Rat von Ludmila “Tragt einfach den Helm” Carone gefolgt und habe, statt selbst Argumente zu wälzen, einfach gegoogelt. Natürlich wissenschaftlich korrekt mit Google Scholar. Es folgen einige Funde, die selbstverständlich kein ausgewogenes Bild abgeben. Um Glaubenssätze und Konsensbehauptungen zu erschüttern, genügen sie allemal.

Statt eines Helms kann man auch bunte Klamotten tragen, um seine Sicherheit zu erhöhen:

»After adjustment for potential confounders and exposure (kilometers cycled per year), the rate of days off work from bicycle crash injury was substantially lower among riders who reported always wearing fluorescent colors (multivariate incidence rate ratio 0.23, 95% CI 0.09 to 0.59).«

(Conspicuity and bicycle crashes: preliminary findings of the Taupo Bicycle Study — Thornley et al.)

Keine neue Erkenntnis, auf dem Spielplatz haben Helme nichts zu suchen:

»Zwei tödliche Strangulationen durch Fahrradhelmriemen beim Spielen werden vorgestellt. Beide Fälle wiesen Übereinstimmungen wie Erstickungsmechanismus, Obduktionsbefunde und Unfallort auf, bei dem es sich jeweils um einen Spielplatz mit einem Seil-Kletter-Gerät handelte. Ursächlicher Faktor war in beiden Fällen ein Sturz mit dem Fahrradhelm durch eine Netzmasche, sodass sich der Helmrand in dem Netz verfing und die plötzliche Straffung der Riemen die Strangulation herbeiführte.«

(Strangulationsunfälle mit Fahrradhelmen, V. Kuntz, J. Reuhl und R. Urban)

Nach einer Studie aus dem Iran haben nur 14% derjenigen, die dort nach einem Fahrradunfall im Krankenhaus landen, überhaupt eine Kopfverletzung. Das heißt, 86% der Schwerverletzten haben ihre schwere Verletzung an anderen Körperteilen.

Viel gefährlicher als Radfahren sind Mopedfahren (trotz Helmpflicht!), Snowboarden und Reiten:

»Horse riding had a 9-fold increased risk and moped driving had a 23.75-fold increased risk for injury compared with adolescent bike riding. Horse riding and snowboarding showed an increased risk for injury in children (5.6- and 4.2-fold, relative to biking).«

(Risk-Inducing Activities Leading to Injuries in a Child and Adolescent Population of Germany)

Es gibt Hinweise darauf, dass einige Helme bei Kindern das Risiko von Gesichtsverletzungen erhöhen könnten:

»Children less than nine years old that used foam helmets had an increased risk of getting face injuries.«

(Protective Effect of Different Types of Bicycle Helmets, Hansen K.S.; Engesæter L.B.; Viste A.)

Eine Werbekampagne fürs Helmtragen kann die Häufigkeit von Kopfverletzungen erheblich reduzieren – unabhängig davon, welche Auswirkungen die Kampagne auf das tatsächliche Trageverhalten hat:

»The population-based educational program significantly decreased the risk of head injuries among boys and girls despite observable differences in the voluntary adoption rate of bicycle-helmet wearing.«

(Does promoting bicycle-helmet wearing reduce childhood head injuries?, Céline Farley, Marjan Vaez, Lucie Laflamme)

Captain Obvious berichtet: Ändert sich die Nutzung von Fahrrädern, so kann das erheblichen Einfluss auf die Verletzungsstatistik haben:

»Injuries from bicycle use have increased but there has been a marked reduction in collisions with motor vehicles. This is a result of the changing use of bicycles by children.«

(Changing pattern of child bicycle injury in the Bay of Plenty, New Zealand, Moyes, Simon A)

Nach einer Griechischen Studie spielen Fahrradunfälle nur eine geringe Rolle im Verletzungsgeschehen bei Kindern bis zu 14 Jahren (ist es da zu warm?):

»2,711 children with bicycle-related injuries (4.8%) were found among the 56,132 injured children 0–14 years recorded in EDISS during a 3-year period. The incidence of bicycle-related injuries was estimated at about 7.9 per 1,000 children-years or about 20 per 1,000 bicycle-using children per year.«

(Bicycling-Related Injuries among Children in Greece, Klimentopoulou, A.; Paliokosta, E.; Towner, E.; Petridou, E.)

Und noch einmal Captain Obvious. Fahrradhelme schützen vor Sonnenstrahlung, aber nicht vor Wärme:

»Twenty-three visors were shown to result in a relevant reduction of radiant heating of the face (>0.5 W), with 15 reaching approximately 1 W. Heating of the visor and/or helmet and subsequent heating of the air flowing into the helmet was nevertheless found to be a relevant effect in many cases, suggesting that simple measures like reflective upper surfaces could noticeably improve the radiant heat rejection without changing the helmet structure.«

(Radiant heat transfer of bicycle helmets and visors, Paul A. Brühwiler)

Um aus der Notaufnahme Rohdaten in brauchbarer Qualität zu gewinnen, muss man sich schon ein wenig anstrengen, und selbst dann kann es passieren, dass entscheidende Parameter in einem Viertel der Fälle einfach undokumentiert bleiben:

»Initial review (n = 667) revealed mean age of patients 8.6years, with 46% African American and 67% male. Helmet usage was documented in 49% of the charts (81 were wearing helmets; 245 were not wearing helmets). Mechanism of injury was documented as bicycle alone in 587, bicycle versus car in 13, and bicycle versus stationary object in 64.After implementation of an injury data sheet (n = 205), it was found that the mean age was 9.24 years, with 51% African American and 43% male. Helmet use was documented in 77% of cases (26 wearing helmets; 132 not wearing). Mechanism was documented as bicycle alone in 125, bicycle versus car in 66, and bicycle versus stationary object in 14. Helmet use was much more frequently documented after the initiation of an injury documentation reminder sheet (z = 6.97; P < 0.001; 95% confidence interval, 20.2-35.8).«

(Bicycle Injury Documentation Before and After Charting Intervention. Monroe K, Nichols M, Bates R, Meredith M, Hunter J 3rd, King WD)

Haben Sie schon einen Fußballhelm?

»A regulation football helmet substantially reduced the peak Gs associated with “heading” a soccer ball traveling at moderately high velocities. A helmet was also effective in reducing the peak acceleration both intraorally and intracranially for impacts significantly more forceful than heading a soccer ball.«

(Do football helmets reduce acceleration of impact in blunt head injuries? Lewis LM, Naunheim R, Standeven J, Lauryssen C, Richter C, Jeffords B.)

Und zu guter Letzt noch einmal einen Hinweis zur Risikobewertung. Eine weitere iranische Studie hat Kopfverletzte im Krankenhaus gezählt. 2,1% der Verletzten trugen keinen Helm beim Radfahren, 97,9% der Verletzten trugen keinen Helm bei irgendeiner anderen Tätigkeit. Nach diesen Zahlen müsste man fordern, dass beim Absteigen vom Fahrrad stets ein Helm aufzusetzen sei:

»Bicycle-related injuries accounted for 2.1% (170/8000) of all in-patient trauma patients …«

(Bicycle-Related Injuries in Tehran, M. Karbakhsh-Davari MD PhD, A. Khaji MD, J. Salimi MD)


Unterschätzte Risiken: Rettungswagen

July 13, 2008

»Bei einem tragischen Unfall ist in der Nacht zum Sonntag in Bad Arolsen ein Mann ums Leben gekommen. Er wurde von einem Rettungswagen überfahren. (…)«

(hr: Tödlicher Unfall: Fußgänger von Rettungswagen erfasst)


Protect Yourself from Earthquakes and Tsunamis

July 7, 2008

To make your holidays safer, the German Research Centre for Geosciences (GFZ) has published information on earthquakes and tsunamis, comprising:

Most of their recommendations may seem like common sense, but even simple measures are easily forgotten if one is used to living in low-risk areas.


Bullshit Bingo in Helmdiskussionen …

June 5, 2008

… geht ganz einfach mit dem Generator von Bernd Sluka.


Relatives Risiko

May 7, 2008

Wenn man ein Auto fährt, das auf der Autobahn irgendwo jenseits der Richtgeschwindigkeit automatisch das Licht anschaltet, was möchte man da in der Betriebsanleitung nicht missen? Genau, Sicherheitshinweise. Sie sollten aber doch bitte beim Thema und den Fakten bleiben. VW zeigt, wie man es nicht macht: Read the rest of this entry »


Unterschätzte Risiken: Maßkrüge

May 5, 2008

Die Süddeutsche berichtet aus dem Hofbräuhaus:

»Mit einem Maßkrug hat ein 67 Jahre alter Rentner im Münchner Hofbräuhaus einen italienischen Touristen schwer am Kopf verletzt. (…) Er packte den Italiener an der Jacke und
schlug ihm einen Maßkrug auf den Kopf. Der Tourist wurde mit schweren Kopfverletzungen in ein Krankenhaus gebracht und dort notoperiert. (…)«

Gut, dass ich nicht in Bayern Urlaub mache.


Unterschätzte Risiken: Heimwerker

May 2, 2008

»Mitten in der Nacht brach sie einfach weg, die Giebelwand eines Hauses in Fulda. Der einzige Bewohner blieb zwar unverletzt, aber der Vorfall kann wohl als “Totalschaden” bezeichnet werden.
(…)
Der Hausbesitzer soll seit Monaten mit der Sanierung des Gebäudes beschäftigt gewesen sein.«

(HR: “Absolute Einsturzgefahr”: Hauswand bricht zusammen)

Hätte er über seine Arbeit gebloggt, wie es andere Selbstsanierer tun, hätte man ihm ja vielleicht in den Kommentaren einen Hinweis hinterlassen können. Andererseits, Haus und Leben gleichzeitig zu riskieren, hat schon was. No guts, no glory; in die Schlagzeilen hat er es jedenfalls geschafft.


Leben gefährdet Ihre Gesundheit

April 28, 2008

Es gibt tatsächlich Helme für Kleinkinder. Nicht für aufm Fahrrad, sondern einfach so. Laufen lernen muss irrsinnig gefährlich sein. (via)


Helmdiskussionsfortsetzung

April 21, 2008

Oh, die wissenschaftliche Helmdiskussion geht ja weiter. Schade, dass ich nicht zugegriffen habe, als es im Supermarkt Helme für’n Zehner gab, jetzt habe ich nichts, was ich wissenschaftlich in Styroporbröckchen zerlegen kann.

Gut, dass ich dort gesperrt bin, sonst käme ich glatt noch in die Versuchung, deutlich auf die Strohmannargumente hinzuweisen. Glaubt die Frau wirklich, dass wir über die hingehaltenen Stöckchen springen und uns an absurden Verschwörungstheorien abarbeiten?

Update: Im Po8tischen Blog gibt es noch einen Kommentar zur Debatte: Neulich bei Lord Helmchen…, sowie eine Umfrage nach Kopfverletzungen beim Radfahren.


Umfrage

April 19, 2008

Was meint Ihr?

(Mist, jetzt ist es kaputt.)


»Bei Feuersbrunst: …

April 9, 2008

… Geben Sie der Dienerschaft unverzügliche Warnung oder bedienen Sie sich des nächsten Feuerlärms (…)«

(Charmhotellet)


Sicherheit im Flugzeug

March 29, 2008

Wer sich für Sicherheit beim Fliegen interessiert, der ist bei Patrick Smith gut aufgeehoben. Den hatten wir hier schon einmal zum Thema Sicherheit auf Flughäfen. Als Pilot kann er aber noch mehr erklären, nämlich zum Beispiel:

  • Wie gefährlich die Benutzung von Mobiltelefonen an Bord wirklich ist,
  • Warum Passagierflugzeuge kein Fallschirme für Passagiere mitführen,
  • Was wir aus dem glimpflich ausgegangenen Brand eines Flugzeugs in Japan lernen können, und zwar zum einen als Passagiere, zum anderen als Medienkonsumenten, oder
  • Was es mit »zu kurzen« Landebahnen auf sich hat.

Als gelegentlicher Fluggast wünsche ich mir allerdings etwas mehr Transparenz, was den Sinn einzelner Sicherheitsmaßnahmen betrifft. Vielleicht nicht als Bestandteil der üblichen Einweisung durch das Kabinenpersonal, aber doch so deutlich, dass sich nicht allzu viel Bullshit in den Köpfen verbreitet. Warum muss erst jemand Kolumnen schreiben, damit wir die Dinge erklärt bekommen?

Deutschsprachige Kompetenz zum Thema findet man übrigens in der Usenet-Newsgroup de.rec.luftfahrt, in der sich auch einige Piloten herumtreibeen.


Sicher Radfahren

March 13, 2008

Im Frühjahr holen auch Warmduscher wie ich ihre Fahrräder wieder aus dem Keller. Zeit für ein paar Sicherheitstipps. Die Initiative Cycleride hat welche, die Sie so vielleicht nicht in Ihrer Tageszeitung finden. Noch viel mehr Material gibt es bei Bernd Sluka. Und allen, die der Englischen Sprache mächtig sind, empfehle ich noch einmal die Site BicycleSafe.com sowie den Artikel Danger in the bike lane.

Wer schon mal über Schikanen, gefährliche Radwege und andere Zumutungen geflucht hat, der kann sein Leid im Netz (mit)teilen, der Radmelder machts möglich. Ausgegraben hat ihn das Cycleride-Blog, das ich hiermit auch gleich noch weiterempfehle. [Note to self: ungefähr 25 Stellen eintragen, die mir spontan einfallen.]


Unterschätzte Risiken: Fußgängerampeln

March 13, 2008

Der Hessische Rundfunk berichtet:

»Eine Fußgängerin ist am Samstagabend durch den umknickenden Mast einer Fußgängerampel lebensgefährlich verletzt worden. Ein 19-Jähriger war mit seinem Auto aus bislang ungeklärter Ursache gegen den Mast geschleudert. Dadurch knickte der Mast um und traf die an der Ampel wartende 45-jährige Frau am Kopf.« 

Sie trug keinen Helm, nehme ich an.


Unterschätzte Risiken: Straßenmöblierung

March 10, 2008

Der HR berichtet:

»Zwei Autofahrer sind auf der A 66 mit einem Sofa kollidiert. Wie die Polizei am Montag mitteilte, streifte ein 38-jähriger Autofahrer das Möbelstück am Samstagabend und fuhr dann ein Ausweichmanöver. Der nachfolgende Fahrer konnte nicht mehr bremsen und krachte frontal gegen die Couch. Der Schaden liegt bei 8.000 Euro.«

Und ich dachte, die Möblierung des öffentlichen Verkehrsraums beschränke sich auf Geh- und Radwege.


Tausendmal studiert, tausendmal doch nichts kapiert

March 9, 2008

[Dieser Eintrag sollte eigentlich ein weiterer Kommentar zur Helmdiskussion hinterm Mond werden. Wie mir erst hinterher auffiel, hat mich die gestrenge Hausherrin dort wegen ungebührlicher Rhetorik nun offenbar endgültig verbrannt und damit im Vorbeigehen gleich noch ihre selbstgestellte Frage beantwortet, ob Wissenschaft ein Glaubenssystem sei: ja natürlich, in der dort betriebenen Form schon, davon zeugt unter anderem der unbedingte Wille, die vermeintliche Gotteslästerung mit szenetypischen Mitteln zu bekämpfen. Q.e.d. Mit ein wenig Abstand geht ja vielleicht auch den anderen Beteiligten auf, dass diese Diskussion in vielem selbstbezüglich ist.]

Was ich bei Ihnen vermisse, Frau Carone, ist die Bereitschaft, Vermutungen, Erkenntnisse, Beobachtungen und anderes zu Schlussketten zu ordnen und diese dann insgesamt zu bewerten. Ihnen genügt es, dass Studien existieren und Sie verlassen sich darauf, dass die dann schon etwas bedeuten werden, und dass dieses Etwas auch Ihren Vermutungen entspricht. Ich versuche seit geraumer Zeit, mit Ihnen darüber zu diskutieren, ob das Tragen eines Styroporhutes beim Radfahren Ihre Chancen auf Weitergabe Ihrer Gene nennenswert erhöht. Sie sind es, die jede vernünftige Diskussion über die relevante Frage verweigert, sich statt dessen auf zweifelhaftes Stückwerk stützt und keinen Zweifel zulässt. Read the rest of this entry »


Man muss ja nicht immer Angst haben

March 7, 2008
»Meine Kinder brauchen keine Polkappen. Klimaveränderung gab es schon immer! Man kann als einigermaßen aufgeweckter Mensch doch nicht glauben, man hätte Einfluss darauf. Um mich mal bei einem Großteil der Leser ganz beliebt zu machen: Wenn Sie sich mit Umwelt beschäftigen, haben Sie wirklich zu viel Freizeit.«

Harald Schmidt in der Zeit


Unterschätzte Risiken: Multiversum

March 2, 2008
ZEIT: Könnte ein neues Universum direkt vor uns auf dem Tisch aufpoppen?

Vilenkin: Ja, so eine Blase würde uns ohne Vorwarnung treffen…

Linde: …und der Rekorder würde aufhören aufzunehmen, wir würden keine Fragen mehr beantworten – und auch aufhören zu existieren.

ZEIT: Man würde die Geburt eines neuen Universums also tatsächlich bemerken?

Linde: Bemerken vielleicht, aber niemals darüber berichten.

(Die Zeit: »Der Spielraum Gottes schrumpft«)


Der Helm zum Wetterbericht

March 1, 2008

Angelegentlich der laufenden Helmdiskussion in Verbindung mit Wettervorhersagen für dieses Wochenende fiel mir ein, dass ich ja selbst einen Helm besitze. Das ist er:

Bauhelm

Gekauft habe ich ihn, um bei einem nicht allzu ernst gemeinten Volkstriathlon nicht mit den Streckenposten diskutieren zu müssen. Wie wir inzwischen wissen, dauern Helmdiskussionen ja manchmal etwas länger, und ich bin so schon kein Spitzensportler. Die gewünschte Wirkung hat der Helm übrigens in 100% seiner bislang 2 Einsätze erzielt, mehr kann man wirklich nicht verlangen. Read the rest of this entry »


Trotzreaktion

March 1, 2008

Helmdiskussionen beginnen und enden mit Trotzreaktionen. Da kann ich nicht ruhig zusehen. In Deutschland sterben Jahr für Jahr etwa 600 Menschen bei Bränden, ungefähr so viele wie jeweils durch Fahrrad- oder Badeunfälle. Schwimmen kann ich gut, Radfahren auch (was nicht notwendig heißt, dass mein Risiko geringer wäre), also habe ich mir bei meinem jüngsten Besuch im hiesigen Baumarkt einen Brandmelder gekauft. Der kostet weniger als so ein blöder Helm und man muss sich nicht erst mühsam ein Szenario konstruieren vom Sturz ohne Fremdbeteiligung auf einen spitzen Stein genau mit dem behelmten Drittel des Kopfes, um sein Leben gerettet zu bekommen.

Ein Brandmelder in der Wohnung verringert Risiken durch ein einfaches Wirkprinzip: er weckt Schlafende, wenn es brennt. Diese Sicherheitsfunktion ist außerdem nach den kolportierten Zahlen in einem nennenswerten Anteil der Fälle relevant, weil der Tod oft direkt oder indirekt aufgrund einer Rauchvergiftung im Schlaf eintritt. Da lohnt sich ein Sicherheitsmechanismus.

Ob ich jetzt wirklich sicherer bin, weiß ich allerdings nicht. Ich kann noch eine Menge Fehler machen, etwa das Ding blöd (oder aus Faulheit gar nicht) aufhängen oder in ein paar Jahren den Batteriewechsel vergessen. Wie gut das Ding funktioniert, habe ich auch nicht getestet.


Aus dem Weltbild eines Fahrradhelmträgers

February 23, 2008

Das Schöne an Blogs ist, dass sie wie Reihenhaussiedlungen funktionieren. Jeder kann in seinem Vorgarten seine persönliche Form des Spießertums zelebrieren und die anderen für schlimme Spießer halten. Das tue ich jetzt auch. Die misslungene Helmdiskussion an anderer Stelle hatte ich bereits erwähnt, ihre Vorgeschichte nehme ich gleich noch mit dazu. Eigentlich gehört so etwas ignoriert, weil es sich um eine Glaubensfrage handelt. Da ich nun aber schon mal mitgemacht habe, lasse ich mir auch das Fazit nicht entgehen, denn das ist aufschlussreich. Ich fasse die Debatte mal aus Sicht der Gegenseite zusammen. Read the rest of this entry »


Friday the 13th – End of the World?

February 22, 2008

Not quite, but with a 1-in -300 chance the end of certain lifeforms on the surface of this planet:

»You may want to put this date in your diary: April 13, 2029. It’s a Friday. Friday the 13th. This is the day, Nasa announced four years ago, on which the Earth is most likely to be struck by a civilisation-destroying asteroid.«

(The threat to Earth from space is minimal - Times Online, via)

Time to un-quit smoking?


Unterschätzte Risiken: Bauarbeiten

February 21, 2008

Bei Frau Carone tobt gerade eine Helmdiskussion [Update: in der ich nicht mehr mitspielen darf, wohl weil ich zu gerne die Wikipedia zitiere und Echte Wissenschaftler™ das ihbäh finden]. Auf der Suche nach Vergleichszahlen bin ich über das gestolpert:

»25 % mehr tödliche Unfälle am Bau
2006: Jeder 5000. Bauarbeiter verliert sein Leben auf der Baustelle

Deutschlandweit starben 2006 in der Bauwirtschaft 141 Menschen und damit 28 mehr als ein Jahr zuvor.
(…)
Die Zahl der schweren Unfälle insgesamt stieg im selben Zeitraum um rund 5200 auf knapp 129 000 an. 3031 Bauleute wurden durch einen Unfall dauerhaft arbeitsunfähig, elf Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
(…)
Die Dunkelziffer bei den genannten Negativzahlen dürfte allerdings deutlich höher liegen, weil immer mehr Selbständige (auch Scheinselbständige und Ich-AGler) nicht erfasst werden. Die Beschäftigtenzahl im Baugewerbe ging 2006 indes leicht zurück. Waren es im Juni 2005 noch 733.757 Beschäftigte, reduzierte ich die Zahl bis Juni 2006 auf 729.062 Beschäftigte.«

Jeder 5000., das wären hochgerechnet auf 80 Millionen Bundeseinwohner ungefähr 16000 (sechzehntausend) Tote und noch eine Dunkelziffer obendrauf. Trotzdem schaut man mich komisch an, wenn ich behaupte, Radfahren sei nicht besonders gefährlich.