Misstrauen in Wahlcomputer breitet sich aus

January 28, 2008

Hessen hat gewählt, der Chaos Computer Club beobachtete, Berichte gibt es bei Holger Klein, im Heise-Ticker – man schaue jeweils auch in die Kommentare und Trackbacks – sowie bei den Beobachtern selbst. Zeit für die erste Interpretation.

Zur Erinnerung: Der wichtigste und am schwersten auszuräumende Einwand gegen Wahlcomputer ist der Einwand der Intransparenz. Auch das herkömmliche Verfahren mit Papier, Stift und Urne lässt vielerlei Möglichkeiten zur Manipulation. Es ist aber für die Mehrzahl der Wähler durchschaubar und lässt sich ohne besonde Kenntnisse und Fähigkeiten prüfen, durch bloße Beobachtung. Das herkömmliche Verfahren ist also unsicher, aber das macht nichts. Wir müssen dem Verfahren und den beteiligten Personen nicht vertrauen, denn wir können prüfen. Wahlcomputer ändern das. Sie verlagern wesentliche Vorgänge in eine Black Box, der wir vertrauen sollen, ob sie nun sicher ist oder nicht. Außerdem wissen wir aus Erfahrung, dass es ziemlich schwer ist, Computer wirklich sicher zu machen.
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Hessen sucht noch Wahlbeobachter

January 24, 2008

Genauer gesagt sucht der CCC noch Wahlbeobachter für die Hessische Landtagswahl am Sonntag, dem 27. Januar, und zwar für jene Gemeinden, die Wahlcomputer einsetzen. Über seine Eindrücke von der Testwahl in Langen berichtete Oliver hier bereits. Warum »erfolgreiche« Testwahlen kein Anlass zur Entwarnung und Sorglosigkeit sind, erklärt Fefe aus gegebenem Anlass in seinem Blog noch einmal.


Wahlcomputer: die FAQ als Lackmustest für Bullshit

January 13, 2008

Woran erkenne ich, wie gründlich jemand nachgedacht hat? Nun, im Netz bietet sich die jeweilige FAQ an, die Liste häufig gestellter Fragen. In der Blütezeit des Usenet und der Mailinglisten, in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts also, handelte es tatsächlich noch um häufig gestellte Fragen. Heute ist daraus ein Stilmittel für Online-Texte geworden und es handelt sich in aller Regel um antizipierte Fragen. Das ist gut, denn eine so entstandene FAQ gibt uns tiefen Einblick in die Gedankenwelt ihrer Autoren. Man kann sie als Lackmustest für das Problemverständnis und die Komplexität einer Lösung verwenden. Das haben wir bereits früher festgestellt. Interessanter als die Antworten sind dabei die Fragen selbst, vor allem auch die nicht gestellten.

Wahlverfahren sind ein Gebiet, auf dem so ein Lackmustest gut funktioniert. Nötig ist er: leider fühlen sich Ingenieure und Informatiker von aktuellen Themen angespornt, mal schnell ein paar Lösungsansätze zu skizzieren. Die sind dann oft nicht zu Ende gedacht; heraus kommen Kindereien wie das Bingo Voting des E.I.S.S. der Uni Karlsruhe. Als wissenschaftliche Fingerübung ist so etwas gewiss akzeptabel, aber der Öffentlichkeit präsentiert man es bereits als Lösung, für welches Problem auch immer. Sogar eine eigene Domain hat man schon reserviert, als wolle man bald eine Firma gründen und ein Produkt daraus machen. Der Heise-Ticker berichtete, und im Forum dazu stehen bereits allerlei kluge Kommentare. Wie gesagt, Diskussion und Untersuchung sind vollkommen legitim, man muss die Sache nur richtig einordnen.

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Pr/W ahltag - Schilda in Langen

January 11, 2008

Wahlcomputer in Langen

Am Mittwoch war Probewahl in Langen und weil das gleich um die Ecke ist, bin ich mal vorbeigehuscht, um mich von der Sicherheit der Wahlcomputer zu überzeugen. Das wollte die Stadt Langen nämlich nach eigenem Bekunden mit dem Versuch erreichen. Dabei ging es allerdings nicht um IT-Sicherheit, sondern vielmehr um eine Beamte beim Wahljogging.

Das stört Bürgermeister Pitthan nicht, der in einer absurden Pressmitteilung flux verlautbaren ließ: „Die Wahlmaschinen arbeiten zu hundertprozent zuverlässig und sie sind sicher.” Das ist ungefähr so also ob ich einen Klempner rufe, um die Qualität meines Trinkwassers zu testen, der dann 20 Mal die Spülung drück und anschließend sagt - die Wasserversorgung arbeitet zuverlässig und ihr Wasser ist sicher. Im Hinblick auf IT-Sicherheit war die Wahlinszenierung ein echtes Possenstück, das tiefe Einblicke in die gelebte Demokratie erlaubt. Read the rest of this entry »


»Hinreichende Sicherheit« ohne Anforderungsanalyse?

May 8, 2007

Heise berichtete am 4. Mai über eine Kleine Anfrage im Bundestag und die Antwort des Innenministeriums darauf. Es geht um Wahlcomputer und Zweifel an ihrer Brauchbarkeit. Das Ministerium hält die Geräte für hinreichend manipulationssicher. Die Sicherheit werde durch technische und organisatorische Maßnahmen gewährleistet, absolute Sicherheit sei auch bei Wahlen mit Stimmzettel und Stift nicht gegeben und überhaupt sei Wahlfälschung ja auch verboten.

Das Original der Antwort liegt leider nur den Heise-Redakteuren vor. Was in deren Bericht auffällt und in der Antwort des Ministeriums vermutlich nicht anders ist: mit den Sicherheitsanforderungen setzt man sich nicht auseinander. Ohne die aber ist Sicherheit ein leerer Begriff. Wenn ich nicht weiß, was ich vor wem schützen möchte, wie kann ich dann von hinreichender Sicherheit reden?

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