Cool or not cool?
November 16, 2009Wahlcomputer und die behauptete Fälschung
March 28, 2009Kürzlich deutete ich in ein paar Nebensätzen die Möglichkeit an, Computerwahlen nicht tatsächlich zu fälschen, sondern eine Fälschung lediglich zu behaupten. Die Intransparenz wesentlicher Abläufe würde dafür sorgen, dass solche Anschuldigungen zwar nicht per se glaubwürdiger, aber schwerer zu widerlegen wären. Nun tut die CIA genau dies für einige der üblichen Verdächtigen, darunter zum Beispiel Venezuela. Kann ja sein, dass die Berichte alle korrekt sind, aber wenn ein Geheimdienst etwas verbreitet, weiß man nie so genau, was die Ziele sind und wieviel vom Gesagten wahr ist.
Kontrollierbarkeit von Wahlen
March 5, 2009Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Einsatz von Wahlcomputern tauchte ein altes Argument wieder auf: Wahlen mit Stift und Papier ließen sich doch auch fälschen. Der Blogger Zettel, der das Urteil für weltfremd hält, formuliert es so (via):
»Kein Bürger kann den Wahlvorgang “zuverlässig nachvollziehen”, wenn mit Bleistift oder Kugelschreiber Formulare markiert werden. Er müßte dann kontrollieren können, daß die Urne bei Öffnung des Wahllokals leer war; er müßte nicht nur der Auszählung mit Argusaugen folgen können, sondern auch bei der telefonischen Übermittlung der Wahlergebnisse zugleich im Wahllokal und in der Zentrale sitzen, in der die Ergebnisse gesammelt werden.«
Außerdem meint er, in einer funktionierenden Demokratie kämen groß angelegte Wahlfälschungen ohnehin nicht vor oder wir verhielten uns zumindest so und vertrauten dem Staat, statt die Wahlen gründlich zu prüfen. Read the rest of this entry »
Blauäugig
February 18, 2009Sichere Elektrowahlen sind doch ganz einfach. Das glaubt zumindest der Autor eines Leserbriefes in der aktuellen CACM. Man müsse nur sieben Regeln einhalten und schon könne man mit Wahlsoftware-CD und Onion Routing kostengünstig demokratieren. Die Regeln:
- Mathematisch bewiesene Sicherheit aller Protokolle und Verfahren.
- Entwurf durch Behörden, da der Wirtschaft nicht zu trauen sei.
- Veröffentlichter Quellcode.
- Wähler können die Zählung ihrer Stimme überprüfen.
- Öffentliches Wählerverzeichnis.
- Anonymität, gemeint ist wohl: Anonymität bei der Stimmabgabe.
- Aufsicht durch ein Expertengremium, in dem alle Beteiligten vertreten sind.
Klingt gut, nicht wahr? Ist aber größtenteils Blödsinn. Brauchbare, aber allein nicht ausreichende Ideen sind (3) und (5), unabhängig vom Wahlverfahren und der verwendeten Technik. Read the rest of this entry »
Misstrauen in Wahlcomputer breitet sich aus
January 28, 2008Hessen hat gewählt, der Chaos Computer Club beobachtete, Berichte gibt es bei Holger Klein, im Heise-Ticker – man schaue jeweils auch in die Kommentare und Trackbacks – sowie bei den Beobachtern selbst. Zeit für die erste Interpretation.
Zur Erinnerung: Der wichtigste und am schwersten auszuräumende Einwand gegen Wahlcomputer ist der Einwand der Intransparenz. Auch das herkömmliche Verfahren mit Papier, Stift und Urne lässt vielerlei Möglichkeiten zur Manipulation. Es ist aber für die Mehrzahl der Wähler durchschaubar und lässt sich ohne besonde Kenntnisse und Fähigkeiten prüfen, durch bloße Beobachtung. Das herkömmliche Verfahren ist also unsicher, aber das macht nichts. Wir müssen dem Verfahren und den beteiligten Personen nicht vertrauen, denn wir können prüfen. Wahlcomputer ändern das. Sie verlagern wesentliche Vorgänge in eine Black Box, der wir vertrauen sollen, ob sie nun sicher ist oder nicht. Außerdem wissen wir aus Erfahrung, dass es ziemlich schwer ist, Computer wirklich sicher zu machen.
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Wahlcomputer: die FAQ als Lackmustest für Bullshit
January 13, 2008Woran erkenne ich, wie gründlich jemand nachgedacht hat? Nun, im Netz bietet sich die jeweilige FAQ an, die Liste häufig gestellter Fragen. In der Blütezeit des Usenet und der Mailinglisten, in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts also, handelte es tatsächlich noch um häufig gestellte Fragen. Heute ist daraus ein Stilmittel für Online-Texte geworden und es handelt sich in aller Regel um antizipierte Fragen. Das ist gut, denn eine so entstandene FAQ gibt uns tiefen Einblick in die Gedankenwelt ihrer Autoren. Man kann sie als Lackmustest für das Problemverständnis und die Komplexität einer Lösung verwenden. Das haben wir bereits früher festgestellt. Interessanter als die Antworten sind dabei die Fragen selbst, vor allem auch die nicht gestellten.
Wahlverfahren sind ein Gebiet, auf dem so ein Lackmustest gut funktioniert. Nötig ist er: leider fühlen sich Ingenieure und Informatiker von aktuellen Themen angespornt, mal schnell ein paar Lösungsansätze zu skizzieren. Die sind dann oft nicht zu Ende gedacht; heraus kommen Kindereien wie das Bingo Voting des E.I.S.S. der Uni Karlsruhe. Als wissenschaftliche Fingerübung ist so etwas gewiss akzeptabel, aber der Öffentlichkeit präsentiert man es bereits als Lösung, für welches Problem auch immer. Sogar eine eigene Domain hat man schon reserviert, als wolle man bald eine Firma gründen und ein Produkt daraus machen. Der Heise-Ticker berichtete, und im Forum dazu stehen bereits allerlei kluge Kommentare. Wie gesagt, Diskussion und Untersuchung sind vollkommen legitim, man muss die Sache nur richtig einordnen.
»Hinreichende Sicherheit« ohne Anforderungsanalyse?
May 8, 2007Heise berichtete am 4. Mai über eine Kleine Anfrage im Bundestag und die Antwort des Innenministeriums darauf. Es geht um Wahlcomputer und Zweifel an ihrer Brauchbarkeit. Das Ministerium hält die Geräte für hinreichend manipulationssicher. Die Sicherheit werde durch technische und organisatorische Maßnahmen gewährleistet, absolute Sicherheit sei auch bei Wahlen mit Stimmzettel und Stift nicht gegeben und überhaupt sei Wahlfälschung ja auch verboten.
Das Original der Antwort liegt leider nur den Heise-Redakteuren vor. Was in deren Bericht auffällt und in der Antwort des Ministeriums vermutlich nicht anders ist: mit den Sicherheitsanforderungen setzt man sich nicht auseinander. Ohne die aber ist Sicherheit ein leerer Begriff. Wenn ich nicht weiß, was ich vor wem schützen möchte, wie kann ich dann von hinreichender Sicherheit reden?

Posted by OK
Posted by Sven Türpe
Posted by Sven Türpe 