Medienkompetenz lernen: Wie man Diskussionsforen moderiert

Burdas ScienceBlogger haben gerade gemerkt, dass sie mit Nerd-Attitüde, Flames und der Löschtaste für Kommentare keine Diskussion übers Klima überleben. Jetzt sitzen sie im Stuhlkreis und analysieren sich selbst, ohne recht zu wissen, was dabei herauskommen soll. Wir geben mit ein paar Links Nachhilfe in Medienkompetenz:

  • Michael Tobis bezieht sich in seinem Blogeintrag Why truth is losing ground direkt auf Klimadebatten im Netz und gibt eine Kurzanleitung zum Umgang mit Skeptikern. Sein wichtigster Tipp: wenn man nicht in der Lage ist, effektiv zu kommunizieren, hält man am besten die Klappe. Er führt es auch gerne vor, wenn in seinen Kommentaren Trolle auftauchen, und erklärt auf Nachfrage, was er tut.
  • Wie effektive Kommunikation aussehen kann, hat Kristian Köhntopp untersucht, ganz wissenschaftlich mit Experiment. Er hat sich mit der inhaltlichen und kulturellen Steuerung von Foren beschäftigt und seine Ansätze in Usenet-Newsgroups und anderswo ausprobiert. Erkenntnis: es geht (wenn man es schafft, im Netz kontrolliert Statussignale zu übermitteln und außerdem ein wenig nachdenkt und organisiert.)
  • In den Kommentaren bei Isotopp  findet sich noch ein Link auf das Vortragsmanuskript A Group Is Its Own Worst Enemy von Clay Shirky. Das habe ich selbst bis jetzt nur überflogen und empfehle es deshalb hier halbblind.
  • Für Fortgeschrittene und Freelancer schließlich gibt es Arthur Schopenhauers Eristische Dialektik oder die Kunst, Recht zu behalten. Das war selbst Schopenhauer zu heikel und wurde erst nach seinem Tode veröffentlicht. Er beschäftigt sich darin mit dem sportlichen Teil des Debattierens, mit der Frage, wie man eine Diskussion gewinnt, ganz gleich, wer wirklich Recht hat. Diskussionen werden nicht unbedingt sachlicher und angenehmer, wenn sich Teilnehmer der Schopenhauerschen Kunstgriffe bedienen, aber es schadet nicht, sie zu kennen und notfalls auch zu beherrschen.
  • Update 2009-02-10: Eben bin ich noch über einen Text von Paul Graham gestolpert, How to Disagree. Den Abstract gibt’s hier. Im Vorbeigehen lernen wir noch Postman’s Third Law: »At any given time, the chief source of bullshit with which you have to contend is yourself,« und ergänzen unsere Blogroll um die Fundstelle.

Lehrreich ist auch, sich Diskussionsverläufe als Unbeteiligter anzuschauen und zu überlegen, wie die einzelnen Teilnehmer wirken und was die jeweilige Entsprechung im Real Life wäre. Das funktioniert aber wahrscheinlich nur, wenn man tatsächlich unbeteiligt ist und nicht heimlich Sympathien für die eine oder andere Ansicht oder Person hegt. Wer nicht gerade Computernerd ist, googelt sich am besten einen Editor War.

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4 thoughts on “Medienkompetenz lernen: Wie man Diskussionsforen moderiert

  1. …und wer sichert hier die Medienkompetenz zu?
    Wer sagt, dass ich auf meinem Blog die Kommentare nicht genau so möchte, wie sie dort stehen?
    Wieso muss eine Diskussion nach Regeln laufen?

    Was motiviert jemanden, solch ein oberlehrerhaftes Posting wie dieses zu schreiben? Nicht sehr kompetent und auch ein großes Stück weit arrogant.

    Frank Abel.

  2. Worüber möchten wir diskutieren? Über Zusicherungen, über Blogkommentare, über Diskussionsregeln oder über Arroganz? Mir scheint jedes dieser Themen gleichermaßen attraktiv, die Vermischung jedoch wenig sinnvoll. Von mir aus können wir die einzelnen Punkte auch nach- oder nebeneinander abarbeiten, aber dann brauchten wir zu jedem ein halbwegs klares Anfangsstatement anstelle einer diffusen Unmutsäußerung. Also, womit soll es losgehen?

  3. Wir könnten damit loslegen, dies nicht als eine nach außen angelegte offene Demonstration von Moderationsfähigkeiten anzusehen. Dann wäre die ganze Kommentiererei Selbstzweck und nutzlos.

    Die hier scheinbar getrennten Themen sind immer noch ein ganzes, auch wenn einfach statuiert wird, dass dies nicht so ist. Daher läuft die Frage auch ins Leere.

    Meine Frage ist und bleibt: Was ist der Zweck dieses Postings? Was soll damit erreicht werden?

    1. Die ganze Kommentiererei ist weitgehend Selbstzweck, wenngleich auf lange Sicht nicht nutzlos. Im besten Fall spiegelt sie gesellschaftliche Debatten, die anderswo mit weniger Teilnehmern und größerer Wirkung auch geführt werden, und erweitert sie um Elemente und Perspektiven, die in der formellen Kommunikation keinen Platz haben. Darunter durchaus auch solche, die anderen Beteiligten sauer aufstoßen mögen, dennoch aber insgesamt zur Meinungsbildung beitragen. Im schlechtesten Fall wiederholt sie lediglich, was bereits tausendfach gesagt wurde, nur noch nicht von jedem. Welche Rolle dabei die Aufspaltung in eine Vielzahl von Blogreihenhäusern mit Blogreihenhausvorgärten spielt, ist mir selbst noch nicht ganz klar; vermutlich schwächt sie soziale Korrektive jeglicher Art, die früher, etwa in den Usenet-Newsgroups, unabdingbar waren.

      Warum also dieses Posting? Unmittelbarer Auslöser war die Diskussion zu diesem Posting, die nach wenigen Kommentaren in Drohgebärden ausartet. Andere ScienceBloggerInnen gehen noch einen Schritt weiter und bauen den Hinweis auf die Möglichkeit einer Machtdemonstration gleich in den Haupttext ein. Dass man über so etwas überhaupt nachdenken kann, ist übrigens eine der Neuerungen der digitalen Reihenhausmode; in einer Newsgroup wäre man für so etwas bestenfalls ausgelacht worden, weil die Technik kein Machtgefälle zwischen verschiedenen Teilnehmern erlaubte.

      Das beobachtete Verhalten erlaubt verschiedene Interpretationen. Es kann sich um Hilflosigkeit angesichts einer empfundenen Bedrohung handeln, um eine Suche nach Anerkennung durch seinesgleichen, aber auch um einen Mangel an Selbstdisziplin oder um Unerfahrenheit im Umgang mit technischen Zwangsmitteln gepaart mit ungenügender Beherrschung anderer Lösungsstrategien. Das Kernproblem aber besteht vermutlich darin, dass wir alle unsere Kommunikation viel zu selten aus der Distanz und auf der Metaebene betrachten. Ich habe Links geliefert, die dabei helfen können und auf Inhalte verweisen, die nach meiner persönlichen Erfahrung realitätskompatibel sind.

      Dass ich dabei den Blogrüpel gebe, muss man nicht gut finden. Es sorgt aber zumindest für Aufmerksamkeit, die gar nicht so leicht zu erringen ist, wenn andere ihre Welt bereits in Gut und Böse geteilt haben und im Kampf gegen das für böse erklärte bereits den Finger über der Löschtaste kreisen lassen.

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