Unterschätzte Risiken: Wettsingen

Das kommt heraus, wenn man seinen Sicherheitsbehörden freien Lauf lässt, statt sie auf nützliches Handeln gegen echte Bedrohungen zu beschränken:

»Beamte des aserbaidschanischen Ministeriums für Nationale Sicherheit (…) haben nach verschiedenen Medienberichten die Identität von Bürgern ermittelt, die beim Eurovision Song Contest 2009 in Moskau für den Beitrag Armeniens gestimmt haben. Mindestens ein Betroffener wurde verhört und aufgefordert, sein Handeln schriftlich zu begründen.«

(sicherheitsblog.info: Aserbaidschan, der Geheimdienst und der Eurovision Song Contest 2009)

Merke: Sicherheit darf weder Selbstzweck sein noch als Begründung für x-beliebige Maßnahmen herhalten. Was sogleich die Frage aufwirft, wie man vorbeugende Maßnahmen denn richtig begründet.

2 thoughts on “Unterschätzte Risiken: Wettsingen

  1. Wie “richtig”? Vorbeugende Maßnahmen werden doch gerade da ergriffen, wo eben keine konkrete Tat, keine Vorbereitung oder Planung vorliegt. Deshalb sind die Begründungen ja so schwammig weit gefasst, daß man beinahe an beliebigen Stellen und zu beliebig frühen Zeiten eingreifen kann.

    Die o. g. Bürger haben ja offensichtlich mehr Sympathie für Kunst und Kultur des Nachbarlandes, wer weiß schon, ob das nicht der Anfang von einer schrecklichen Entwicklung ist, und die muß man ja im Vorfeld aufhalten (die Abweichler begründen dann sicher schriftlich, daß sie Umwürfler sind und einen Staatsstreich planen).

    Und natürlich kann jetzt prinzipiell jede Maßnahme als “angemessen” bezeichnet werden, angesichts der möglichen Katastrophen, die ja hier verhindert werden. Was man in der Praxis tatsächlich durchzieht, ist jetzt nur noch eine Frage des Aufwandes und der zur Verfügung stehenden Ressourcen.

    1. “Richtig” hieße idealerweise mit einem falsifizierbaren Risikomodell. Oder in Ermangelung eines solchen wenigstens so, wie man jede brauchbare Sicherheitsmaßnahme entwerfen sollte, nämlich unspezifisch hinsichtlich der Ausprägungen einer Bedrohung, aber mit sehr exakter Modellierung der Grenze zwischen Bedrohung und Nichtbedrohung. Die erste Forderung wäre auch erfüllt, wenn man alle Menschen vorbeugend erschießen würde, denn damit wären alle Terrortaten bis auf eine letzte abgewehrt. Die zweite hingegen nicht. Schenken kann man sich die Forderung nach Trennschärfe höchstens bei Maßnahmen, die sehr arm an Nebenwirkungen sind.

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