Unterschätzte Risiken: Verbraucherschutz

Wer dieses Blog schon länger liest, hat vielleicht mitbekommen, dass ich der Verknüpfung von IT-Sicherheitsbausteinen mit Rechtskonstrukten skeptisch gegenüberstehe. Verfahren wie die rechtsverbindliche digitale Signatur und Anwendungen wie De-Mail mögen manchmal nützlich sein. Sie machen es jedoch auch einfacher, Leuten etwas abzuluchsen, das sich später gegen sie verwenden lässt. Eine Überraschung ist das nicht, denn solche Phänomene gibt es nicht nur im Internet. Offline sollen beispielsweise Banken seit einiger Zeit ihren Kunden Unterschriften unter Beratungsprotokolle abnötigen. Die Chancen und die Risiken sind dabei klar verteilt:

»In der Praxis zeige sich, dass die Protokolle den Banken mehr nützten, als den Kunden. „Die schreiben da alles rein was sie brauchen, um später in einem Prozess bestehen zu können“, sagte der Liberale, der als Rechtsanwalt Opfer der Lehman-Pleite vertritt.«

(Welt Online:
Late Night “Anne Will”: Was beim Banken-Bashing gern vergessen wird)

Im Internet hat der Verbraucher jedoch bis jetzt eine günstige Rechtsposition, weil er vieles einfach abstreiten kann. Wer das Internet mit bestätigten  Identitäten oder mit Nachweisdiensten á la De-Mail sicherer machen möchte, arbeitet daran, diese Eigenschaft zu beseitigen und Risiken auf die Verbraucher zu verlagern. Obendrein wird der Alltag komplizierter. Wollen wir das?

PS: Die Hersteller von Identitätsnachweisen haben erwartungsgemäß eine klare Haltung dazu.