Cyber-Krieg, nüchtern betrachtet

Die Süddeutsche hat James A. Lewis (vermutlich den hier) zum Thema Cyberwar interviewt. Herausgekommen ist eine Reihe vernünftiger Ansichten wie diese:

»Ein Staat würde für den Einsatz von Cyberwaffen die gleiche Art militärischer Entscheidungen vornehmen wie für jede andere Art von Waffen. Welchen Vorteil bringt es, die Stromversorgung zu kappen? Und was sind die Risiken dabei? Wenn die USA und China im südchinesischen Meer kämpfen, ist das ein begrenzter Konflikt. Wenn China zivile Ziele auf dem Gebiet der USA attackiert, ist das eine ungeheure Eskalation, die das Risiko birgt, dass die USA auf chinesischem Boden zurückschlagen. Streitkräfte werden gründlich darüber nachdenken, bevor sie einen solchen Angriff wagen. Dazu kommt, dass solche Attacken schwierig sind, und wir dazu neigen, den Schaden zu überschätzen, den sie anrichten. Ich kann mir nicht vorstellen, warum jemand sich die Mühe machen sollte, die Wasserversorgung anzugreifen.«

(sueddeutsche.de: “Wir müssen unsere Verteidigung stärken”)

Lewis betrachtet das Thema nicht im Hollywood- oder Scriptkiddie-Modus, sondern konsequent aus einer militärischen Perspektive. Militärs handeln rational, sie verfolgen taktische und strategische Ziele mit verfügbaren Mitteln und gegen die Handlungen eines Gegeners. Daraus ergibt sich auch das Angreifermodell, das der Verteidigung zugrunde liegt, wie oben im Zitat illustriert. Cyber-Krieg, so Lewis’ Paradigma, ist keine neue Form des Krieges, die andere verdrängt, sondern eine neue Waffengattung, die den Krieg nicht grundlegend reformiert.