Bankrotterklärung

Langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Wirkung typischer Fahrradhelme lediglich eine unbewiesene Behauptung darstellt:

»”Niemand kann wissenschaftlich nachweisen, wie viele Verkehrstote durch einen Radhelm verhindert werden können”, erklärt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV).«

(stern.de: Echte Schützer und falsche Versprechen)

Das ficht die Freunde des Styropors aber nicht an. Sie erwidernwie jeder geübte Esoteriker, es gebe mehr Dinge zwischen Himmel und Erde als die Wissenschaft zu fassen vermöge:

»Auch Stefan Grabmeier, Helmexperte vom ADAC, ist sich sicher, ein Helm kann Leben retten: “Wissenschaftlich ist das schwer zu beweisen, aber wenn man sich mit der Praxis beschäftigt, weiß man, es gibt gerade bei Kindern sehr viele Fälle, wo ein Helm geholfen hätte.”«

(ebd.)

Ähnlich argumentieren Hebammen, die bei Vollmond mehr Kinder zur Welt kommen fühlen. Auch sie sind sich sehr sicher, dass sich die Wissenschaft irrt und nicht sie selbst. Wäre ja noch schöner, wenn Wissenschaftler unser als Erfahrung verbrämtes Wunschdenken in Frage stellen könnte.

4 thoughts on “Bankrotterklärung

  1. Im gleichen Artikel steht aber auch
    |Zitat| Bei einer Studie in Zusammenarbeit mit den Kliniken in Münster kam heraus, dass keine Kopfverletzungen von Helmträgern behandelt wurden. “Also wenn es Kopfverletzungen gab, war kein Helm auf dem Kopf”, erklärt Brockmann. |Zitatende|

    Zugegeben: Keine Zahlen, alles nicht belastbar.
    Trotzdem bleibt ein doofes Gefühl, weil eigentlich beide Parteien es bisher nicht geschafft haben mich richtig zu überzeugen. Die Helmgegner argumentieren mit den glaubwürdigeren Statistiken (die eben auch nur Statistiken sind und nichts über den Einzelfall aussagen) und die Befürworter mit dem Argument “… aber wenn es nur einen einzigen Radfahrer vor schweren Kopfverletzungen schützt, hat sich das Tragen doch schon gelohnt”.

    Beides ist ja nicht komplett von der Hand zu weisen. Bis mir mal jemand schlüssig die Sache erklärt hat, halte ich mich an die bessere Optik und fahre ohne Helm. Der Preis ist, dass ich immer öfter das Gefasel der autofahrenden Kollegen (“unverantwortlich. Und wer denkt an die Kinder”) ertragen muss, ohne schlüssige, soll heißen in den Augen der Helmbefürworter stichhaltige, Argumente vorbringen zu können.

    Diese ganze Helmkampagne wirkt eben doch. Sie macht einem auf Dauer so die Birne weich, dass man sich am Ende ohne Helm kaum noch vor die Tür traut.

    1. |Zitat| Bei einer Studie in Zusammenarbeit mit den Kliniken in Münster kam heraus, dass keine Kopfverletzungen von Helmträgern behandelt wurden. “Also wenn es Kopfverletzungen gab, war kein Helm auf dem Kopf”, erklärt Brockmann. |Zitatende|

      Ein erstaunliches Ergebnis. Meine Erwartung wäre, dass der Helm, so er denn wirkt, Grenzen hat. Zum einen wird es schwerste Unfälle geben, bei denen der Helm nichts mehr hilft. Zum anderen kann ich mir nicht vorstellen, dass typische Fahrradhelme zum Beispiel die Zahl der Gesichtsverletzungen wesentlich reduzieren. Wer ohne Helm nach seinem Unfall zum Zahnarzt bzw. Kieferorthopäden muss, landet mit Helm wahrscheinlich auch dort.

      1. So erstaunlich ist das Ergebnis dann allerdings auch wieder nicht. Ich vermute mal die Studie, von der im Stern ohne Quellenangabe berichtet wird, ist diese: http://www.thieme.de/viamedici/studienort_muenster/freizeit/fahrrad-studie.html

        Und da sind wir dann wieder dort angekommen, was Erich uns anfangs sagen wollte:

        “Jährlich 2.250 Fahrradunfälle mit Personenschaden.”
        “Jeder vierte Radfahrer (25,7 Prozent) erlitt eine Kopfverletzung.”
        Ich denke man kann daraus schließen, dass das Risiko einer Kopfverletzung durchaus besteht und man besser vorsichtig sein sollte, um Unfälle zu vermeiden. Aber jetzt kommts:
        “Lediglich bei 6,4 Prozent der erfassten Patienten wurde das Tragen eines Helmes dokumentiert.”

        Obwohl also gerade mal 6% überhaupt nur einen Helm getragen haben, will Herr Brockmann ein Ergebnis zur Nützlichkeit des Helmes aus der Studie ablesen können. Diese Datenbasis scheint mir dann doch etwas dünn. Auf Basis von 144 Behelmten Radfahrern eine aussagekräftige Studie zu erstellen erscheint mir zumindest gewagt.

        Das ist lustig, aber ich fürchte, ich werde mich trotzdem weiter mit meinen esoterischen Kollegen rumschlagen müssen😉

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