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Gute Radwege rentieren sich nicht

TL;DR: Es kommt darauf an, welche Zielgröße man optimiert, Radwegbenutzer oder vermiedene Fahrbahnradler.

Deutsche Twitterspießer nörgeln unter dem Hashtag #runtervomradweg über geparkte Autos und andere Hindernisse auf Radwegen und Radstreifen. Manchmal feiern sie auch das gleichermaßen verbotene und wegen der Sichtbehinderung für vorbeifahrende Radfahrer gefährliche Parken links neben einem markierten Radstreifen als vorbildlich. Das finnische Gegenstück dazu heißt #kuinkesäkeli und seine Anhänger klagen vor allem über Schnee, der auf Radwegen liegen bleibt.

Subjektiv ist der Ärger über vermeidbare Hindernisse leicht nachzuvollziehen, wenngleich zu einem über die Verkehrsbehinderung schimpfenden Tweet immer zwei gehören, nämlich auch derjenige, der erst einmal anhält und ein Foto macht. Hindernisse gehen jedem auf die Nerven, das Ausweichen kann gerade auf Radwegen schwierig bis unmöglich sein und wer bei der Radwegbenutzung einen Sicherheitsgewinn fühlt, sieht sich seiner Dividende beraubt.

Brutalparker und Schneehaufen sind jedoch nicht bloß Ärgernisse des Alltags, sondern auch politisch: Sie stehen uns nicht nur konkret beim Radfahren im Weg, sondern auch im übertragenen Sinne auf dem Weg in ein Fahrradparadies, in dem wir alle gemeinsam die Hyggeligkeit Kopenhagener Radwege genießen, bis der Fahrradstau vorbei ist. Um so mehr stellt sich die Frage, warum niemand etwas tut. Den einen wie den anderen Hindernissen könnte man durch konsequentes behördliches Handeln und den regelmäßigen Einsatz von Räumfahrzeugen beikommen, was jedoch systematisch unterbleibt (Update: siehe auch den Nachtrag am Ende).

Viele Radfahrer in Kopenhagen
Fahrradstau in Kopenhagen (Foto von heb@Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Aufschlussreicher als das Wehklagen über den Verfall der Sitten und fortwährendes Betteln um „mehr, bessere, sichere Radwege“ (neudeutsch: „Protected Bike Lanes“) ist eine ökonomische Analyse. Hinter systematischem Handeln und Unterlassen, gerade von Organisationen und Institutionen, stecken Anreizstrukturen, die dieses Handeln oder Unterlassen fördern. Wer sie nicht versteht, riskiert Überraschungen.

Radaktivisten gehen häufig von einem Einladungsmodell aus. Der Nutzen von Radwegen – am besten eines zusammenhängenden Radwegenetzes – bestehe darin, das Radfahren objektiv und subjektiv sicherer zu machen und damit Menschen zum Radfahren zu bewegen, die sonst das Auto oder den öffentlichen Nahverkehr benutzten würden. Dieser Nutzen steigt zu Beginn am schnellsten, wenn die ersten Radfahrer auftauchen, die nach dem Einladungsmodell sonst gar nicht auf dem Rad säßen. Als frei skizzierter Funktionsgraph sieht das so aus:

Funkitonsgraph der Nutzenfunktiion
Einladungsmodell. Der Nutzen von Radwegen bemisst sich nach ihrer Nutzerzahl, das Nutzenwachstum nach der prozentualen Steigerung.

Der Nutzen n wächst mit der Zahl der Radwegbenutzer r. Der Anstieg erfolgt jedoch nicht linear, sondern er verlangsamt sich um so mehr, je weiter die Zahl der Radfahrer wächst. Begonnen bei 0 verspricht eine geringe Erhöhung Δr1 der Radfahrerzahl zunächst einen im Verhältnis dazu hohen Nutzengewinn Δn1. Demgegenüber fällt der zusätzliche Gewinn Δn2 aus einer weiteren, viel größeren Erhöhung der Nutzerzahl um Δr2 vergleichsweise bescheiden aus. Solch eine Kurve erhält man, wenn man das Nutzenwachstum nach der prozentualen Steigerung bemisst, denn bei kleinen Ausgangswerten ist die Vervielfachung leicht.

Aus der Perspektive dieses Modells müsste man Hindernisse auf Radwegen radikal beseitigen, auch wenn sie, wie Schnee im finnischen Winter, nur wenige Radfahrer betreffen. Weniger radikal ginge man nach dieser Logik gegen überfüllte Radwege vor, denn sie wären kein Problem, sondern Zeichen des Erfolgs. Wie das Foto aus Kopenhagen oben andeutet, ist dies tatsächlich der Fall – der Stau auf dem Radweg wird als nachahmenswertes Vorbild herumgereicht und er ist natürlich etwas ganz anderes als ein Lieferwagen, dem mal drei Radfahrer ausweichen müssen.

Eine bessere Erklärung für die unterlassene Räumung liefert das Verlagerungsmodell. Anders als das Einladungsmodell misst es den Nutzen von Radwegen daran, wie effektiv der übrige Fahrzeugverkehr von Radfahrern befreit wird. Am nützlichsten sind Radwege demnach, wenn kein Radfahrer mehr im Kfz-Verkehr zu finden ist. Für diese Sicht können beispielsweise Unfallzahlen sprechen, die mit sinkendem Anteil der Radfahrer am Fahrzeugverkehr abnehmen, wenn auch nicht unbedingt proportional. Als Funktionsgraph skizziert sieht dieses Modell ungefähr so aus:

Funktionsgraph des Verlagerungsmodells
Verlagerungsmodell: Der Nutzen bemisst sich danach, wie wenige Radfahrer auf der Fahrbahn unterwegs sind, unabhängig davon, was sie stattdessen tun.

Auch hier tritt der höchste relative Nutzengewinn am unteren Rand ein – wer den letzten Radfahrer loswird, bekommt eine Autobahn. Jedoch spielt nun die Ausgangssituation eine Rolle: Je weniger Radfahrer ursprünglich unterwegs sind, desto weniger lassen sich überhaupt von der Fahrbahn weg verlagern, egal wohin, und desto geringer fällt deshalb der maximal erzielbare Nutzengewinn aus. Dabei kommt es nicht darauf an, ob die verlagerten Radfahrer auf einem Radweg wieder auftauchen, auf dem Gehweg, in der U-Bahn oder hinterm Lenkrad eines Autos. Wer gleich eine Autobahn baut, muss übers Radfahren gar nicht erst nachdenken.

Das Verlagerungsmodell kann erklären, wieso Radwege ungeräumt bleiben: Schnee und Brutalparker mögen die Radfahrer stören, doch das ist dem Modell egal, denn das Modell dreht sich um Störungen durch Radfahrer. Die aber bleiben aus: weil die Straße ohnehin nicht ausgelastet ist und den Radverkehr aufnehmen kann, weil es insgesamt nicht genügend Radfahrer gibt, um ernsthaft zu stören (statt nur mit ihrer Anwesenheit die Aufführung von Verletzheitsszenen zu provozieren) oder weil ängstliche Radfahrer auch ohne Radweg fernbleiben und sich das Nutzenmaximum so ganz von alleine und kostenlos einstellt. Und wo sich die Radfahrer ausnahmsweise einmal nicht selbst wegräumen, muss man nicht gleich angemessene Infrastruktur bauen. Etwas Farbe oder ein paar Verbotsschilder kosten viel weniger und erreichen dasselbe.

Nichts sei umsonst, heißt es, doch wenn das Optimierungsziel ist, möglichst wenig Radfahrer auf der Fahrbahn zu haben, dann kommt man sehr günstig weg. Jede Infrastrukturlösung ist viel teurer als das Nichtstun und leistet gemessen an abgewehrten Radfahrern doch nur dasselbe wie Untätigkeit und Verbote. Deswegen könnt Ihr mehr gute und sichere Radwege fordern solange ihr wollt – Ihr werdet sie nicht bekommen, denn sie rentieren sich nicht. Stattdessen muss man das Ziel der fahrradfreien Fahrbahn über den Haufen werfen und einen fahrrad-, fußgänger- und anwohnerfreundlichen Kfz-Verkehr zur Regel machen. Von dieser Basis aus mag man dann überlegen, welche Verkehrswege auch ganz ohne Autos auskommen.

PS: Die L-IZ hat Zahlen zur behördlichen Duldung des Brutalparkens in Leipzig zusammengetragen: Übers Jahr bemerkt das Ordnungsamt dort ca. 2000 Falschparker auf Radverkehrsanlagen, das sind im Mittel fünfeinhalb pro Tag oder im Jahr einer pro dreihundert Einwohner. In der Regel bleibt es dann beim Knöllchen; abgeschleppt wurden von Rad- und Fußverkehrsanlagen insgesamt nur 110 Fahrzeuge in drei Jahren oder drei pro Monat. Die Stadt hat an die 600.000 Einwohner.

Nichts zu verbergen – nicht zu diesem Preis

Der Spruch, man habe ja nichts zu verbergen, ist der Lieblingsstrohmann aller Datenschutzaktivisten und Polizeigegner. An ihm arbeiten sie sich ab, um zu zeigen, dass doch jeder etwas zu verbergen habe und demnach auf ihrer Seite stehen müsse im Kampf gegen den jeweilige Datenkraken des Tages.

Nun ist es legitim, für die Beschränkung polizeilicher, geheimdienstlicher und sonstiger Befugnisse einzutreten. Der Nichts-zu-verbergen-Strohmann unterstellt jedoch eine allgemeine individuelle Betroffenheit, um das Strohmann-Argument sodann mit der Annahme einer ebenso universellen Geheimnisträgerschaft zurückzuweisen.

Wo die Schwäche dieses oft replizierten, jedoch selten reflektierten Arguments liegt, wird deutlich, wenn man es sauberer formuliert. Wie auch sonst überall – genauer, außerhalb der bloßen Ideologie – muss man in Sicherheitsfragen Nutzen und Kosten abwägen. Dabei hat jeder Beteiligte und jeder Betroffene seine eigene Sicht; was dem einen schadet, muss dem anderen nicht in gleichem Maße nützen und umgekehrt.

Da wir über Zukunftsaussichten mutmaßen, haben alle Annahmen Wahrscheinlichkeitscharakter und wir rechnen mit Erwartungswerten. Die bekannte Risikoformel – Risiko gleich Eintrittswahrscheinlichkeit mal Schadenshöhe – ist nichts anderes als die Definition eines Erwartungswerts.

Sagt nun jemand, er habe nichts zu verbergen, so bedeutet dies sauber formuliert, er sehe für sich kein hinreichendes Risiko n der diskutierten Maßnahme, welches ihre Ablehnung rechtfertigen würde, sondern einen ausreichenden Nutzen, um sie hinzunehmen. Diese Einschätzung mag im Einzelfall richtig oder falsch sein, doch handelt es sich nicht per se um ein falsches Argument.

In einem funktionierenden Rechtsstaat haben Bürger, die sich nichts zuschulden kommen lassen, wenig zu befürchten. Dafür sorgt nicht in erster Linie Technik, sondern Recht, Gewaltenteilung und das daraus resultierende Institutionengefüge. Dieser Apparat, der die Staatsmacht ausübt und gleichzeitig zügelt, ändert sich nicht fundamental, nur weil einzelne Institutionen wie die Polizei neue Einsatzmittel und -möglichkeiten erhalten.

Es ist deshalb legitim, sich auf den Rechtsstaat und die Demokratie zu verlassen, das eigene wie das gesellschaftliche Risiko aus neuen Einsatzmitteln der Exekutive als gering einzuschätzen und daraus resultierend Vorschläge zu befürworten oder hinzunehmen. Das – oft erfolglos – Zustimmung heischende Strohmannargument, jeder habe etwas zu verbergen, ignoriert die Risikobetrachtung. Es ist deshalb unsachlich, fundamentalistisch und überholt.

Ein frühes Beispiel für „Security Economics“ …

… und die Illustration eines gerne gemachten Denkfehlers verdanken wir den Grenztruppen der DDR:

„Im Frühjahr 1989 stellen Ökonomen der Grenztruppen eine groteske Rechnung auf. Sie teilen die Kosten für die Grenze durch die Summe der Festnahmen und stellen fest, dass jede Festnahme 2,1 Millionen Mark kostet. Der Wert eines durchschnittlichen Werktätigen wird mit 700.000 Mark veranschlagt. Also, folgern sie, ist eine Festnahme dreimal so teuer wie der Verlust eines Werktätigen. Das Resümee lautet nicht: ,macht die Grenze auf‘, sondern: ,macht die Grenze billiger‘.“

Der Denkfehler liegt darin, nur die aktiv abgewehrten Angriffe – Festnahmen bei versuchten Grenzübertritten – zu berücksichtigen. Die größte Wirkung entfaltete die  innerdeutsche Grenze jedoch durch Abschreckung. Die meisten, die ohne Mauer vielleicht in den Westen gegangen wären, versuchten es angesichts der geringen Erfolgsaussichten und hohen Risiken gar nicht erst oder nur auf dem legalen und langwierigen Weg per Ausreiseantrag.

Hinter diesem Denkfehler steckt ein grundsätzliches Problem, mit dem man es immer zu tun bekommt, wenn man die Wirkung von Sicherheitsmaßnahmen messen möchte. Wirksame Maßnahmen führen tendenziell dazu, dass bestimmte Arten von Angriffen insgesamt unterbleiben, weil sie sich nicht mehr lohnen und andere Angriffe oder Ziele attraktiver werden. Wer erfolgreich Sicherheit schafft, kann seinen Erfolg deshalb nicht messen und nachweisen.

Verdient „cyber“ so viel Aufmerksamkeit?

Millionen Euro
Schäden durch Cybercrime (2016) 51
Jahresetat des BSI (2016) 89
Schäden durch Fahrraddienbstahl (2014) 100
Jahresetat des BSI (2017) 107
Schaden durch NotPetya bei Maersk 170…256
Schaden durch organisierte Kriminalität (2016) >1.000
Schäden durch Ladendiebstahl 2.000
Schäden durch Wirtschaftskriminalität (2011) 4.100
Rundfunkgebühren (2015) 8.131
Verkehrsinfrastrukturinvestitionen (2016) 12.296
Schaden aus Cum-Ex- und Cum-Cum-Betrug (kumuliert) 31.800
Verteidigungshaushalt (2017, inkl. CIR) 37.005
Bürokratiekosten der Wirtschaft pro Jahr 45.140
Unbelegte Cyberschadensdrohung von Bitkom und Verfassungsschutz 50.000
Googles weltweiter Umsatz (2016) 79.450
(89.460 $)
Jährlicher Umsatzverlust durch schlechte Führungskräfte 105.000
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel (2016) 176.000
Bundeshaushalt (2017) 329.100
Bruttoinlandsprodukt (2016) 3.124.364
(3.466.639 $)

Cyberzeilen sind fett markiert. Zu jeder Zahl ist die Quelle verlinkt. Ich aktualisiere die Tabelle ab und zu mit weiteren Angaben.

Mein Gott, es ist voller Spam!

Spam kommt überall dort vor, wo jemand mit wenig Aufwand viele Empfänger erreichen kann, aus deren Reaktionen er einen Gewinn zieht. E-Mail ist das klassische Beispiel: Millionen von Nachrichten zu versenden, kostet fast nichts. Kann man Klicks der Empfänger direkt zu Geld machen, lohnt sich Spam, denn bereits bei geringer Antwortrate kommt mehr Geld zurück als der Versand gekostet hat.

E-Mail ist nur ein Träger für Spam. Ein anderer ist mir in Google Analytics begegnet: Referral-Spam. Dabei geben sich die Spammer als Website aus, die auf eine andere Website verlinkt, entweder mit Website-Besuchen durch Bots oder auch mit Fake-Daten, die sie bei der Google-Analytics-API abliefern. Im Referrer steht dabei jeweils eine URL, zu der man Besucher locken will; diese URL taucht dann in Logfiles oder eben in Google Analytics auf. Auf diese Weise kann man sich einerseits Links erschleichen, wenn Websites ihre Logfiles öffentlich machen. Andererseits weckt man die Neugier einzelner Analytics-Nutzer oder Logfile-Auswerter und lockt so Besucher auf die Spammer-Site.

So häufig wie in der E-Mail ist Referral-Spam noch nicht. Aktuell läuft aber gerade eine nertötende Kampagne, die ein unnützes Social-Buttons-Gedöns bewirbt. Wenn’s nervt, kann man sich in Google Analytics einen Filter einrichten. Ausführliche Erklärungen gibt es hier.

Stundensatz: 22 Euro

Praktikanten verderben die Preise und heulen herum, weil man sie wie Praktikanten behandelt. Dieser langjährige Trend macht auch vor der Sicherheitsbranche nicht Halt. Die Deutsche Post führt vor, wie man 1000 Stunden Pentest für 22.000 Euro einkauft: Statt eine Dienstleistung zu beauftragen und für die geleistete Arbeit zu vergüten, veranstaltet sie einen Wettbewerb und bezahlt nur für Ergebnisse. Und bekommt dafür nicht etwa einen Vogel gezeigt, sondern trifft auf ein williges Prekariat, dem Geld egal ist, wenn es nur was mit Medien^H^H^H^H^H^HHacking machen darf. Damit ist die Post nicht alleine, Bug-Bounty-Programme verbreiten sich rapide und tun im Prinzip dasselbe, nur kontinuierlich. Ist das gut oder schlecht?

Attack-as-a-Service Market Prices

An article in the latest issue of CACM (paywalled) quotes some prices advertised by criminals for elementary attack building blocks:

  • DoS – $50…$500 per day
  • hacking a private e-mail address – $30…$50
  • forged identity documents – <$30
  • software opening fake accounts – <$500
  • custom-made malware – $1,500 + monthly service fee

If you want to get rich, don’t waste your time on developing sophisiticated attack techniques. Look at the services available and devise a business model.

Flawed Security Economics

I just stumbled upon a piece of economics-of-security reasoning that amazes me:

»Bank robbers steal approximately $100 million per year in the US. (…) To prevent this, banks spend $600 million per year on armored car services and $25 million per year on vault doors. The FBI spends $50 million per year investigating robberies. A good deal more is spent on security guards—approximately 1 million in the US, paid about $24 billion per year (outsourcing makes it difficult to say how many work for banks). In summary, the cost of protecting against bank robberies far exceeds the loss.«

(Michael Lesk, Cybersecurity and Economics, IEEE S&P Nov./Dec. 2011)

I don’t doubt the figures, but the conclusion does not make sense to me. Why should one put the cost of security measures in relation to the losses that they don’t prevent? The $100 million per year are the losses that remain after security. What the security investment prevents is the losses that would occur without it, not the losses that continue to occur despite the effort. I’d love to see an estimation of this quantity. The author even gives a hint towards the possible magnitude, as he continues:

»To look at a less safe society, in a single 2007 bank robbery in Baghdad, robbers made off with $280 million (it was an inside job).«

Perhaps it is even normal for the cost of security to exceed the losses that remain, once the security spending has been optimized?

Fünf Blüten auf 10.000 Einwohner

»Rund 39 000 gefälschte Geldscheine registrierte die Notenbank im vergangenen Jahr mit einem Schaden von 2,1 Millionen Euro. Im Vorjahr hatten 60 000 Falschnoten noch Einbußen von 3,4 Millionen Euro verursacht.
(…)
Rechnerisch kommen jährlich fünf (2010: sieben) Blüten auf 10 000 Einwohner. Im gesamten Euro-Raum liegt das Verhältnis bei 18 Fälschungen auf 10 000 Einwohner.«

(Echo Online: Weniger Euro-Blüten beschlagnahmt als je zuvor)

Risikoanalyse für Gauner

FAZ.NET präsentiert in einer Galerie von Infografiken dieses schöne Stück, das die Aufklärungsquoten verschiedener Verbrechens- und Vergehensarten zeigt und ordnet. Demnach werden Geldfälscher, Geiselnehmer und Autohehler fast immer gefasst, Autoknacker sowie Auto- und Taschendiebe hingegen fast nie. Zur Berufsberatung für legalitätsflexible Arbeitssuchende fehlen jetzt noch analoge Aufstellungen der mittleren Gewinne pro Tat sowie der mittleren Strafe, falls man erwischt wird. Mit diesen Angaben könnten wir ausrechnen, welche Verbrechen sich lohnen. Falls jemand Zahlen hat oder Leute kennt, die Zahlen haben, her damit.

Wichtigtuer

Wovor die Helmzwangdebatte geflissentlich ausweicht, ist die Risikoanalyse, die dem Gezänk schnell ein Ende machte. Radfahren ist keine besonders gefährliche Tätigkeit. Das Risiko, dabei an einer Kopfverletzung zu sterben, bleibt gering. Erst in der Summe über die Bevölkerung wird dieses Risiko überhaupt sichtbar − und liegt in derselben Größenordnung wie jenes von tödlichen Badeunfällen. Das eine wie das andere Übel kann man getrost als Schicksalsschlag einordnen, tragisch für den, dem er zustößt, aber weit davon entfernt, die Bevölkerung zu dezimieren. Analoge Betrachtungen kann man über die Verletzungsrisiken anstellen.

In der Aggregation wird auch der ganze wirtschaftliche Irrwitz einer Helmpflicht deutlich. Kauften wir nur zu jedem zweiten der 70 Millionen Fahrräder in Deutschland einen Helm für günstige 20 Euro, so kämen stattliche 700 Millionen Euro Kosten zusammen. Eine zweifelhafte Investition, wenn man nüchtern rechnet und das reale Schutzpotenzial ansetzt, das die kolportierten Wunderwirkungen weit untertreffen dürfte. So ein Fahrradhelm schützt nämlich nicht einmal den halben Kopf und das am besten bei Stürzen, die man auch ohne Helm leicht überlebt.

Radfahrer handeln rational, wenn sie die mit Helmen beeinflusste Risikokomponente im Rauschen der allgemeinen und insgesamt geringen Lebensrisiken verschwinden sehen und auf besondere Schutzausrüstung verzichten. Unredlich hingegen handelt, wer solche Risikobetrachtungen unterlässt und die Staatsmacht als Bekleidungspolizei missbrauchen möchte. Wer sich mit Helm wohlfühlt, mag einen tragen. Einer Pflicht dazu fehlt jedoch jede sachliche Rechtfertigung.

P.S.: Kann mal jemand im Koran nachgucken, ob ein Fahrradhelm als Kopftuch durchgeht? Das wäre zwar gemogelt, gäbe der Diskussion aber einen ganz anderen Anstrich.

Meine teuerste Karte

X3 bringt auf den Punkt, was am neuen Personalausweis blöd ist:

(Direkt-nPA)

So etwas kommt heraus, wenn man Sicherheit als Funktion und Teilsystem missversteht und diese Funktion unabhängig vom Anwendungskontext realisiert. Wer’s besser machen möchte, muss von den Anwendungen und ihrem Sicherheitsbedarf ausgehen. Dabei können am Ende auch generische Mechanismen herauskommen. Dann aber solche, die ihr Geld wert sind und zu den jeweiligen Problemen passen. Bis das alle begriffen haben, wird meine wichtigste Karte weiterhin eine lange Nummer und das Logo einer Kreditkartenorganisation tragen. Damit kann ich online wie offline was anfangen, und Kosten wie Risiken bleiben bescheiden.

Unterschätzte Risiken: Mutter Natur

Schon etwas mehr als zehn Jahre alt, aber dennoch aufschlussreich: Naturkatastrophen in Deutschland. Schadenerfahrungen und Schadenpotentiale. Eine Veröffentlichung der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft. Abstract:

»Deutschland wurde und wird immer wieder von schweren Naturkatastrophen betroffen, die hier hauptsächlich als Stürme und Sturmfluten, Überschwemmungen und Hagelschläge auftreten und wegen der enormen Wertekonzentrationen in großen Teilen des Landes Schäden in Milliardenhöhe auslösen können. Neben den atmosphärisch bedingten Naturereignissen treten die reinen Erdgefahren wie Erdbeben (und Gebirgsschlag), Erdrutsch und Vulkanausbruch in den Hintergrund; sie machen im Zeitraum 1970–1998 lediglich 7 % der beobachteten Ereignisse sowie 1 % der volkswirtschaftlichen und der versicherten Schäden aus.

Bei der Beurteilung der Schadenpotentiale aus großen Naturereignissen spielt die Gefahr Erdbeben jedoch eine wesentliche Rolle und übertrifft mit Werten zwischen 25 und 200 Mrd. DM sogar alle übrigen Schadenpotentiale, zumindest wenn man die sehr geringe Eintrittswahrscheinlichkeit für ein derart extremes, aber eben doch nicht auszuschließendes Ereignis außer acht läßt. Für die viel wahrscheinlicheren Stürme sind etwa 10 Mrd. DM, für große Hagelstürme etwa 5 Mrd. DM, für eine extreme Sturmflut bis zu 60 Mrd. DM und für ein sehr großes Überschwemmungsereignis im Einzugsbereich des Rheins bis zu 20 Mrd. DM als Schadenpotentiale anzusetzen. Eine genauere Analyse dieser Katastrophenszenarien, insbesondere im Hinblick auf ihre Eintrittswahrscheinlichkeiten, erscheint unerläßlich.

Der umfangreiche Ereigniskatalog der Veröffentlichung enthält zunächst eine Aufstellung aller bedeutenden Naturkatastrophen in Deutschland, soweit sie aus der Naturwissenschaft und der Geschichtsschreibung bekannt wurden. Daran schließt sich eine umfassende Liste aller wesentlichen – insgesamt 459 – Elementarschadenereignisse in Gesamtdeutschland im Zeitraum 1970–1998 an, die, soweit möglich, Schadenangaben enthält und die Grundlage für eine aussagekräftige Statistik bildet, in der die Anteile der verschiedenen in Deutschland vorkommenden Naturgefahren an der Gesamtzahl der Schadenereignisse sowie an den volkswirtschaftlichen und versicherten Schäden dargestellt sind.«

Schadensinflation

Meine Haftpflichtversicherung schickt mir diese schöne Prosa:

»Der unabhängige Treuhänder hat eine Erhöhung des Durchschnitts der Schadenszahlungen festgestellt. Gemäß der vertraglichen Regelungen zur Beitragsangleichung wurde der Beitrag um 5% erhöht.«

Wieso brauchen die einen Treuhänder für etwas, das an der Tankstelle oder bei der Bahn einfach so funktioniert?

Werden Kreditkarten billiger?

Vielleicht können wir uns langsam von der Vorstellung verabschieden, dass man mit seinen Kreditkartendaten im Netz “vorsichtig” sein müsse oder die Karte am besten gar nicht benutze. Diese wohlmeinenden Sicherheitshinweise waren zwar schon immer Blödsinn. Eine Kreditkarte ist dazu da, dass man sie benutzt, es gibt wenige Möglichkeiten, dabei Vorsicht walten zu lassen, und beim User ist die Sicherheit ohnehin schlecht aufgehoben. Nun gibt es auch noch Hinweise darauf, dass sich reine Kartendaten ohne PIN für Kriminelle immer weniger lohnen:

»Credit cards are no longer valuable, so criminals now want PIN numbers. Earlier this week, Symantec reported credit card data can sell for as little as six cents in online criminal markets, which consist of “various forums, such as websites and Internet Relay Chat (IRC) channels, which allow criminals to buy, sell, and trade illicit goods and services.” Verizon reports the value of credit card data at fifty cents, down from a minimum of $10 in mid-2007.

In contrast, Symantec said, bank credentials can sell for $10 or more. Verizon did not disclose a price for PIN data, but said, “the big money is now in stealing personal identification number (PIN) information together with associated credit and debit accounts.”«

(Credit Cards No Longer King in Crime Networks)

Der Artikel scheint schon ein Jahr alt zu sein.