Tag Archives: Fahrradhelm

So ungefährlich ist Radfahren

Zur Helmdiskussion hatte ich hier lange nichts. Eigentlich lohnt das auch nicht, denn wer an den Nutzen eines Fahrradhelms glauben möchte, lässt sich erfahrungsgemäß von Argumenten nicht umstimmen. Doch heute bin ich über eine Zahl gestolpert, die sogar mich überrascht hat, obwohl sie mit meiner Alltagserfahrung kompatibel ist. Der großbritische nationale Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) macht wie so ziemlich jede Krankenkasse Werbung fürs Radfahren und hat in diesem Zusammenhang eine FAQ zur Gefährlichkeit dieser Betätigung zusammengestellt. Darin heißt es unter anderem:

“Official figures taken from the NTS suggest that the general risk of injury from cycling in the UK is just 1 injury per 19,230 hours of cycling.”

Eine Verletzung auf 19 230 Stunden Radfahren, das heißt selbst ein Fahrradkurier muss gute zehn Jahre jeden Arbeitstag acht Stunden unterwegs sein, um sich einmal zu verletzen*. Wer lediglich jeden Tag eine halbe Stunde zu seinem Büro radelt und abends zurück, der braucht sogar Jahrzehnte, um sich einmal zu verletzen. Dass Radfahren so sicher ist, hätte ich trotz vieler unfallfreier Jahre im Sattel nicht erwartet.

*) Ein Arbeitsjahr in einem Vollzeitjob hat ca. 2000 Stunden einschließlich der Urlaubstage.

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Verrechnet

Sehr schön, die Fahrradhelmpropaganda beginnt sich selbst zu zerlegen. Die Helm-PR hat den Punkt erreicht, an dem sich das gepflanzte Mem verselbständigt. Dabei gerät es außer Kontrolle, viele Köche verderben den Brei. Das ist in diesem Fall gut.

Eine Versicherung behauptet dreist:

»Besonders dramatisch ist dabei, dass im Schnitt fast 9 von 10 Fahrradunfällen (85%) Kopfverletzungen nach sich ziehen. Ein Helm kann hier Schlimmstes verhindern.«

(Zurich unterstützt “Fahrradhelm macht Schule”)

Wie wir seit einem OLG-Urteil vor ein paar Tagen wissen, gehören Versicherungen zu den Profiteuren des Helmglaubens. Das Volk lehnt Fahrradhelme mehrheitlich ab, die Tragequote lag 2009 im Mittel über alle Altersgruppen bei gerade mal 11% – wie auch zwei Jahre darauf noch. Einer Versicherung kann also nichts besseres passieren als ein Gericht, welches das übliche und normale Verhalten für leichtsinnig erklärt.

Für den Tagesspiegel versucht sich Markus Mechnich darin, die Schutzwirkung von Fahrradhelmen für unbestreitbar zu erklären. Er verwendet übliche Taktiken: Verzicht auf absolute Zahlen und damit die Risikobewertung, stattdessen Prozentangaben, eine zahlenunabhängige Argumentation und die subtile Einordnung von Kopfverletzungen zwischen Speiseröhrenkrebs und akuter Strahlenkrankheit auf der Schreckensskala. Die Quintessenz: Unfälle, bei denen der Helm helfen könnte, seien nicht auszuschließen, und deshalb solle man unbedingt einen tragen.

Dabei unterläuft ihm ein Lapsus:

»Nach Zahlen des Gesamtverbands der deutschen Versicherer erleiden Radfahrer bei 25,7 Prozent aller schweren Unfälle Verletzungen am Kopf.«

(Ohne Kopfschutz wird es oft tödlich)

Was steht da? Da steht, dass 74,3% der schweren Fahrradunfälle ohne Kopfverletzung abgehen. Selbst wenn wir die ganzen harmlosen Stürze ausklammern, finden wir nur einen bescheidenen Anteil von Kopfverletzungen. Mechnich merkt das auch und versucht sich eilig in die Behauptung zu retten, das Gehirn sei doch wichtiger als Arme und Beine. Dabei unterschlägt er allerdings, dass von Kopf- und nicht von Gehirnverletzungen die Rede ist. Wie eine Kopfverletzung (nebst Beanspruchung der Halswirbelsäule) mit Helm aussieht, kann man sich in einem Helm-PR-Video anschauen, welches wiederum aus der Versicherungsbranche stammt. Zahlen, Analysen und Risikobetrachtungen sucht man dort vergebens, und so muss jeder die gezeigten Bilder selbst interpretieren. Ich sehe im Video ab 6:00 einen Faceplant, der ohne Helm bestenfalls genauso, schlimmstenfalls glimpflicher abgelaufen wäre.

Mechnich – oder sein Kronzeuge Prof. Pohlemann von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, so richtig klar wird das nicht – argumentiert weiter:

»Normalerweise verhindert der Schädelknochen solche Schäden. Radler erreichten allerdings so hohe Geschwindigkeiten, dass der Knochen bei manchen Stürzen nicht mehr ausreiche.«

(Ohne Kopfschutz wird es oft tödlich)

Das klingt plausibel, bis man sich anschaut, was bei hohen Geschwindigkeiten tatsächlich passiert. Beim Crashtest Pedelec mit 45 km/h in eine Autotür macht der Fahrradhelm keinen Unterschied. Die schwersten Verletzungen sind im Brustbereich zu erwarten und der Kopf schlägt wieder mit dem unbehelmten Gesicht auf.

Ich werde weiter ohne Sturzkappe fahren, wie die meisten Erwachsenen. Fahrradhelme finden eine nennenswerte Verbreitung nur unter unmündigen Kindern. Zu Recht.

Leichte Kopfverletzungen

Am besten schützt ein Helm vor Kopfverletzungen, wenn wir Kopfverletzungen als das definieren, wovor ein Helm schützt. Mehrere verlorene Zähne sind nach Ansicht der Helmpropagandisten von Amts wegen keine Kopfverletzung:

»Der Rennradfahrer erlitt bei dem Zusammenstoß laut Polizei Prellungen, leichte Kopfverletzungen und verlor mehrere Zähne. Zum Glück trug er einen Fahrradhelm …«

(Echo Online: Rennradfahrer bei Unfall schwer verletzt)

 

Bankrotterklärung

Langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Wirkung typischer Fahrradhelme lediglich eine unbewiesene Behauptung darstellt:

»”Niemand kann wissenschaftlich nachweisen, wie viele Verkehrstote durch einen Radhelm verhindert werden können”, erklärt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV).«

(stern.de: Echte Schützer und falsche Versprechen)

Das ficht die Freunde des Styropors aber nicht an. Sie erwidernwie jeder geübte Esoteriker, es gebe mehr Dinge zwischen Himmel und Erde als die Wissenschaft zu fassen vermöge:

»Auch Stefan Grabmeier, Helmexperte vom ADAC, ist sich sicher, ein Helm kann Leben retten: “Wissenschaftlich ist das schwer zu beweisen, aber wenn man sich mit der Praxis beschäftigt, weiß man, es gibt gerade bei Kindern sehr viele Fälle, wo ein Helm geholfen hätte.”«

(ebd.)

Ähnlich argumentieren Hebammen, die bei Vollmond mehr Kinder zur Welt kommen fühlen. Auch sie sind sich sehr sicher, dass sich die Wissenschaft irrt und nicht sie selbst. Wäre ja noch schöner, wenn Wissenschaftler unser als Erfahrung verbrämtes Wunschdenken in Frage stellen könnte.

Helmmode

Leserin Monika W. aus B. an der S. grub einen feinen Artikel aus, der Fahrradhelme endlich einmal im korrekten Rahmen und Kontext diskutiert: als Modeerscheinung nämlich. Ein Auszug:

»Mehr zu verlieren hat jedoch die andere Seite. Manche Vertreter der Pro-Helm-Bewegung treten auffällig ernst und dogmatisch auf. Vielleicht weisen sie die Argumente gegen den Helm auch deshalb so brüsk zurück, weil sie die Peinlichkeit bereits hinter sich haben. Wer schon mal mit Helm auf offener Straße stand, will nicht hören, dass derjenige, dessen Frisur auch nach Erreichen des Arbeitsplatzes noch Volumen hat, ebenso sicher ins Büro kam.«

(Die Helmbewegung)

Dem ist nichts hinzuzufügen. Oder vielleicht doch: wer meint, das modische Problem lösen zu können, indem er die restlichen Klamotten passend zum Helm wählt, ist auf dem Holzweg. Eine brauchbare Modeberatung gibt’s hier.

Neues aus der Helmforschung

Angeregt durch eine neuerliche Debatte um den Wert des Attributs kollegenbegutachtet als Argument in einer Diskussion bin ich dem Rat von Ludmila “Tragt einfach den Helm” Carone gefolgt und habe, statt selbst Argumente zu wälzen, einfach gegoogelt. Natürlich wissenschaftlich korrekt mit Google Scholar. Es folgen einige Funde, die selbstverständlich kein ausgewogenes Bild abgeben. Um Glaubenssätze und Konsensbehauptungen zu erschüttern, genügen sie allemal.

Statt eines Helms kann man auch bunte Klamotten tragen, um seine Sicherheit zu erhöhen:

»After adjustment for potential confounders and exposure (kilometers cycled per year), the rate of days off work from bicycle crash injury was substantially lower among riders who reported always wearing fluorescent colors (multivariate incidence rate ratio 0.23, 95% CI 0.09 to 0.59).«

(Conspicuity and bicycle crashes: preliminary findings of the Taupo Bicycle Study — Thornley et al.)

Keine neue Erkenntnis, auf dem Spielplatz haben Helme nichts zu suchen:

»Zwei tödliche Strangulationen durch Fahrradhelmriemen beim Spielen werden vorgestellt. Beide Fälle wiesen Übereinstimmungen wie Erstickungsmechanismus, Obduktionsbefunde und Unfallort auf, bei dem es sich jeweils um einen Spielplatz mit einem Seil-Kletter-Gerät handelte. Ursächlicher Faktor war in beiden Fällen ein Sturz mit dem Fahrradhelm durch eine Netzmasche, sodass sich der Helmrand in dem Netz verfing und die plötzliche Straffung der Riemen die Strangulation herbeiführte.«

(Strangulationsunfälle mit Fahrradhelmen, V. Kuntz, J. Reuhl und R. Urban)

Nach einer Studie aus dem Iran haben nur 14% derjenigen, die dort nach einem Fahrradunfall im Krankenhaus landen, überhaupt eine Kopfverletzung. Das heißt, 86% der Schwerverletzten haben ihre schwere Verletzung an anderen Körperteilen.

Viel gefährlicher als Radfahren sind Mopedfahren (trotz Helmpflicht!), Snowboarden und Reiten:

»Horse riding had a 9-fold increased risk and moped driving had a 23.75-fold increased risk for injury compared with adolescent bike riding. Horse riding and snowboarding showed an increased risk for injury in children (5.6- and 4.2-fold, relative to biking).«

(Risk-Inducing Activities Leading to Injuries in a Child and Adolescent Population of Germany)

Es gibt Hinweise darauf, dass einige Helme bei Kindern das Risiko von Gesichtsverletzungen erhöhen könnten:

»Children less than nine years old that used foam helmets had an increased risk of getting face injuries.«

(Protective Effect of Different Types of Bicycle Helmets, Hansen K.S.; Engesæter L.B.; Viste A.)

Eine Werbekampagne fürs Helmtragen kann die Häufigkeit von Kopfverletzungen erheblich reduzieren – unabhängig davon, welche Auswirkungen die Kampagne auf das tatsächliche Trageverhalten hat:

»The population-based educational program significantly decreased the risk of head injuries among boys and girls despite observable differences in the voluntary adoption rate of bicycle-helmet wearing.«

(Does promoting bicycle-helmet wearing reduce childhood head injuries?, Céline Farley, Marjan Vaez, Lucie Laflamme)

Captain Obvious berichtet: Ändert sich die Nutzung von Fahrrädern, so kann das erheblichen Einfluss auf die Verletzungsstatistik haben:

»Injuries from bicycle use have increased but there has been a marked reduction in collisions with motor vehicles. This is a result of the changing use of bicycles by children.«

(Changing pattern of child bicycle injury in the Bay of Plenty, New Zealand, Moyes, Simon A)

Nach einer Griechischen Studie spielen Fahrradunfälle nur eine geringe Rolle im Verletzungsgeschehen bei Kindern bis zu 14 Jahren (ist es da zu warm?):

»2,711 children with bicycle-related injuries (4.8%) were found among the 56,132 injured children 0–14 years recorded in EDISS during a 3-year period. The incidence of bicycle-related injuries was estimated at about 7.9 per 1,000 children-years or about 20 per 1,000 bicycle-using children per year.«

(Bicycling-Related Injuries among Children in Greece, Klimentopoulou, A.; Paliokosta, E.; Towner, E.; Petridou, E.)

Und noch einmal Captain Obvious. Fahrradhelme schützen vor Sonnenstrahlung, aber nicht vor Wärme:

»Twenty-three visors were shown to result in a relevant reduction of radiant heating of the face (>0.5 W), with 15 reaching approximately 1 W. Heating of the visor and/or helmet and subsequent heating of the air flowing into the helmet was nevertheless found to be a relevant effect in many cases, suggesting that simple measures like reflective upper surfaces could noticeably improve the radiant heat rejection without changing the helmet structure.«

(Radiant heat transfer of bicycle helmets and visors, Paul A. Brühwiler)

Um aus der Notaufnahme Rohdaten in brauchbarer Qualität zu gewinnen, muss man sich schon ein wenig anstrengen, und selbst dann kann es passieren, dass entscheidende Parameter in einem Viertel der Fälle einfach undokumentiert bleiben:

»Initial review (n = 667) revealed mean age of patients 8.6years, with 46% African American and 67% male. Helmet usage was documented in 49% of the charts (81 were wearing helmets; 245 were not wearing helmets). Mechanism of injury was documented as bicycle alone in 587, bicycle versus car in 13, and bicycle versus stationary object in 64.After implementation of an injury data sheet (n = 205), it was found that the mean age was 9.24 years, with 51% African American and 43% male. Helmet use was documented in 77% of cases (26 wearing helmets; 132 not wearing). Mechanism was documented as bicycle alone in 125, bicycle versus car in 66, and bicycle versus stationary object in 14. Helmet use was much more frequently documented after the initiation of an injury documentation reminder sheet (z = 6.97; P < 0.001; 95% confidence interval, 20.2-35.8).«

(Bicycle Injury Documentation Before and After Charting Intervention. Monroe K, Nichols M, Bates R, Meredith M, Hunter J 3rd, King WD)

Haben Sie schon einen Fußballhelm?

»A regulation football helmet substantially reduced the peak Gs associated with “heading” a soccer ball traveling at moderately high velocities. A helmet was also effective in reducing the peak acceleration both intraorally and intracranially for impacts significantly more forceful than heading a soccer ball.«

(Do football helmets reduce acceleration of impact in blunt head injuries? Lewis LM, Naunheim R, Standeven J, Lauryssen C, Richter C, Jeffords B.)

Und zu guter Letzt noch einmal einen Hinweis zur Risikobewertung. Eine weitere iranische Studie hat Kopfverletzte im Krankenhaus gezählt. 2,1% der Verletzten trugen keinen Helm beim Radfahren, 97,9% der Verletzten trugen keinen Helm bei irgendeiner anderen Tätigkeit. Nach diesen Zahlen müsste man fordern, dass beim Absteigen vom Fahrrad stets ein Helm aufzusetzen sei:

»Bicycle-related injuries accounted for 2.1% (170/8000) of all in-patient trauma patients …«

(Bicycle-Related Injuries in Tehran, M. Karbakhsh-Davari MD PhD, A. Khaji MD, J. Salimi MD)

Tausendmal studiert, tausendmal doch nichts kapiert

[Dieser Eintrag sollte eigentlich ein weiterer Kommentar zur Helmdiskussion hinterm Mond werden. Wie mir erst hinterher auffiel, hat mich die gestrenge Hausherrin dort wegen ungebührlicher Rhetorik nun offenbar endgültig verbrannt und damit im Vorbeigehen gleich noch ihre selbstgestellte Frage beantwortet, ob Wissenschaft ein Glaubenssystem sei: ja natürlich, in der dort betriebenen Form schon, davon zeugt unter anderem der unbedingte Wille, die vermeintliche Gotteslästerung mit szenetypischen Mitteln zu bekämpfen. Q.e.d. Mit ein wenig Abstand geht ja vielleicht auch den anderen Beteiligten auf, dass diese Diskussion in vielem selbstbezüglich ist.]

Was ich bei Ihnen vermisse, Frau Carone, ist die Bereitschaft, Vermutungen, Erkenntnisse, Beobachtungen und anderes zu Schlussketten zu ordnen und diese dann insgesamt zu bewerten. Ihnen genügt es, dass Studien existieren und Sie verlassen sich darauf, dass die dann schon etwas bedeuten werden, und dass dieses Etwas auch Ihren Vermutungen entspricht. Ich versuche seit geraumer Zeit, mit Ihnen darüber zu diskutieren, ob das Tragen eines Styroporhutes beim Radfahren Ihre Chancen auf Weitergabe Ihrer Gene nennenswert erhöht. Sie sind es, die jede vernünftige Diskussion über die relevante Frage verweigert, sich statt dessen auf zweifelhaftes Stückwerk stützt und keinen Zweifel zulässt. Continue reading Tausendmal studiert, tausendmal doch nichts kapiert

Der Helm zum Wetterbericht

Angelegentlich der laufenden Helmdiskussion in Verbindung mit Wettervorhersagen für dieses Wochenende fiel mir ein, dass ich ja selbst einen Helm besitze. Das ist er:

Bauhelm

Gekauft habe ich ihn, um bei einem nicht allzu ernst gemeinten Volkstriathlon nicht mit den Streckenposten diskutieren zu müssen. Wie wir inzwischen wissen, dauern Helmdiskussionen ja manchmal etwas länger, und ich bin so schon kein Spitzensportler. Die gewünschte Wirkung hat der Helm übrigens in 100% seiner bislang 2 Einsätze erzielt, mehr kann man wirklich nicht verlangen. Continue reading Der Helm zum Wetterbericht

Unterschätzte Risiken: Psychopathen auf Arbeitssuche

»Ein 75-jähriger Radfahrer ist am Sonntag bei Beyersdorf (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) von einer Autofahrerin auf einem Feldweg mit einem Beil erschlagen worden. Als Motiv für den Angriff auf den ihr unbekannten Mann gab die 52-Jährige aus Sachsen Wut über ihre erfolglose Arbeitsuche an. (…)«

(Magdeburger Volksstimme)

Alle naheliegenden Witze über Kopfverletzungen, Radelhelme und die Hannelore-Kohl-Stiftung hat de.rec.fahrrad bereits gemacht.

Aus dem Weltbild eines Fahrradhelmträgers

Das Schöne an Blogs ist, dass sie wie Reihenhaussiedlungen funktionieren. Jeder kann in seinem Vorgarten seine persönliche Form des Spießertums zelebrieren und die anderen für schlimme Spießer halten. Das tue ich jetzt auch. Die misslungene Helmdiskussion an anderer Stelle hatte ich bereits erwähnt, ihre Vorgeschichte nehme ich gleich noch mit dazu. Eigentlich gehört so etwas ignoriert, weil es sich um eine Glaubensfrage handelt. Da ich nun aber schon mal mitgemacht habe, lasse ich mir auch das Fazit nicht entgehen, denn das ist aufschlussreich. Ich fasse die Debatte mal aus Sicht der Gegenseite zusammen. Continue reading Aus dem Weltbild eines Fahrradhelmträgers

Die ideale Ergänzung zum Klapprad

Oliver fragte neulich nach Konstruktion und Stoßdämpfung von Fahrradhelmen. Auf eine Seite über Prüfnormen hatte ich in einer Antwort dort schon hingewiesen. Was die Normen in der Praxis bedeuten, habe ich heute in de.rec.fahrrad erfahren: Es gibt faltbare Helme, und sie erfüllen die Norm EN 1078. Faszinierend.

Was man im Vergleich dazu von einem richtigen Helm erwartet, deutet der Wikipedia-Artikel über Motorradhelme an. So ziemlich alle dort geprüften Eigenschaften sind bei helmähnlichen Gegenständen für Radfahrer egal. Wer es ganz genau wissen will, findet Beschreibungen der Prüfprozeduren in diesem Dokument (PDF) in Abschnit 7.

Gefühlte Sicherheit oder wie man sich seines Aberglaubens vergewissert

Was würden Sie tun, wenn Ihnen jemand einen zerrissenen Sicherheitsgurt zeigt und Ihnen sagt, dieser habe ihm bei einem Unfall das Leben gerettet? Wenn jemand auf den zersplitterten Kunststoff seines verunfallten Trabis weist und gleiches behauptet? Sie würden ihm wahrscheinlich einen Vogel zeigen. Jeder weiß doch, wie die wichtigsten passiven Sicherheitsfeatures am Auto funktionieren. Die Knautschzone nimmt durch Verformung Energie auf und sorgt dafür, dass die Fahrgastzelle beim Aufprall weniger abrupt gebremst wird. Der Gurt hält die Insassen darin fest, damit sie sich nicht selbständig und die Knautschzone wirkungslos machen.

Für Helmträger auf Fahrrädern gelten andere Gesetze, oder jedenfalls glauben sie das. Von ihnen hört man regelmäßig genau solche Berichte. Über ein Musterbeispiel bin ich am Wochenende gestolpert. Das Foto gibts bei Flickr, den zugehörigen Unfallbericht hier.

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Ahnungslose Mediziner oder Propaganda?

Wir haben Security Theater, der Straßenverkehr hat Helme für Radfahrer. Beide sind eng verwandt und werden auf dieselbe Art verkauft: mit Appellen an Affekte und an das oft falsche subjektive Risikogefühl. Der Verstand bleibt dabei so gründlich auf der Strecke, dass man sich fragt, was die Träger mit ihrem Styroporschälchen noch schützen wollen. Dabei ist die Verkaufsmasche so leicht zu durchschauen.

Die Pressemitteilung liest sich dramatisch:

»Mediziner machen sich für eine Helmpflicht für Radfahrer in Deutschland stark. Mit einem solchen Schutz ließe sich die Zahl gefährlicher Hirnverletzungen im Straßenverkehr deutlich reduzieren (…)«

und weiter:

»In Deutschland erleiden pro Jahr mehr als 300 000 Menschen ein Schädel-Hirn-Trauma. 15 000 von ihnen müssen intensiv stationär behandelt werden. Die Sterblichkeit sei bei diesen Patienten mit 30 bis 40 Prozent nach wie vor sehr hoch (…)«

Beim Abschreiben werden daraus auch mal 15000 Tote, so in der Leipziger Volkszeitung und der Sächsischen Zeitung. Dagegen also soll eine Helmpflicht für Radfahrer helfen. Wir rechnen nach.

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